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Revolution und Kirche
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Der Stand derZVeltrevolution"

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ihr zu begegnen gilt es eist recht, daß die Kirche jetzt dem Arbeiter mit Vertrauen und mit Versöhnlichkeit entgegen kommen mutz.

Die weitaus schwierigste Frage in dem neu zu ordnenden Verhältnis von Kirche und Staat betrifft den Religionsunterricht in der Schule. An diesem Punkt ist keiner der drei Berichterstatter (Tröllsch, Rolffs, Meyer) zu einer befriedigenden Lösung gelangt. Das liegt freilich nicht an ihnen, sondern an der Unentwirbarkeit der tz-ache. Sie sind einig darüber, daß ein religionsloser Moralunterricht oder ein nur geschichtlich berichterstattender, höchstens ans Erwcckung eines all­gemeinen Neligionsgefühls ausgehender Religionsunterricht nicht nur wertlos, sondern geradezu schädlich wäre. Denn sittliche Beeinflussung ist nur auf der Grundlage der Religion möglich und Religion gibt es nur in bestimmter Aus­prägung. Sobald man dies einräumt, bestehen bloß zwei Möglichkeiten. Entweder läßt man die Religion völlig aus der Schule heraus. Aber dagegen wird sich schon die Schule sträuben, wenn anders sie sich nicht nur Verstandesbildung, sondern Persönlichkeilserziehung zum Ziel setzt. Und die Kirche wird unzufrieden sein, wenu sie gerade in der wichtigsten Zeit nur nebenher an den Kindern arbeiten darf. Oder läßt man den Religionsunterricht in der Schule durch die von der Kirche Beauftragten erteilen. Dann ergibt sich innerhalb der Schule ein störendes Nebeneinander von weltlichem und geistlichem Unterricht, von kirchlichen und unkirchlichen Lehrern. Danach bleibt nur übrig, das bisherige Verhältnis im großen und ganzen besteben zu lassen und seine Härten durch Verzicht auf jeden Zwaug für Lehrer und Schüler zu mildern.

Mit einer gewissen Freudigkeit sind Herausgeber und Mitarbeiter an ihre Aufgabe herangetreten. Sie glauben daran, daß die Kirche eine große Zukunft vor sich hat. Solche Stimmung brauchen wir. Nur wer glaubt, lcmu etwas schaffen.

9er ^tand derWeltrevolution"

von Dr. Richard Hennig

nde 1918 und Anfang März 1919 habe ich in denGrenzboten" auf Grund unverdächtiger, feindlicher und neutraler Zeugnisse dar­gelegt, wie dierote Grippe" sich in Gestalt von Nevolulionssieber und sozialen wie politischen Umsturzbestrebungen zu einem Sieges­zuge um die gan^e Erde oder doch zumindest durch alle Kultur­länder anschicke. Seither hat man sogar durch die deutschen Zeitungen, in denen kaum noch etwas anderes zu lesen ist, als von Streits und Straßenkämpfen und anderen innerpolitischen Vorgängen in Deutschland selbst, erführen, daß in der Tat der Geist der Auflehnung gegen die politische Gewalt und gegen den Kapitalismus seuchenartig immer weiter um sich greift. Ende März kamen bedrohliche Meldungen über Ausstandsbewegungen in Ägypten gegen die englische Herrschaft, die seit Mitte Mai durch Nachrichten über Meutereien der in Ägypten stehenden englischen Truppen, Bildung von Soldatenräten in Kairo, Suez und anderswo ergänzt wurden; aus Indien kamen im April Nachrichten, daß dort die gefährlichste Rebellion seit 1857 ausgebrocheu sei, und am 19. April wurde in London amtlich bekannt gegeben, ganz Indien befinde sichin offenem Allsruhr". Sowohl in Ägypten als auch iu Indien sind die Unruhen mit großer Grausamkeit niedergeschlagen worden, über die nur andeutende Einzelheiten aus englischen Blättern zu entnehmen sind. Außerdem ist seit Monaten eine derartig strenge Nachrichlenzensur eingeführt, daß selbst das englische Parlament nicht erfährt, was hinter dem Vorhang in den genannten beiden Ländern sich abspielt. Dazu kommt die neue Gärung in Irland, die von amerikanischer