Revolution und Kirche
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anderen ausschalten möchte, die mit dem kurzsichtigen Eigennutz kleiner Leute, in den unteren Lagerungen verbleibt, habgierig in die Breite geht und sich querweg weiterfritzt wie ein platter Schwamm, statt aufwärts zu wachsen, selbst vermöge dieser immerhin mit Organismuskräften ausgestatteten Form stecken klassenhafte Gebundenheit, Enge und Verhaftung und der klebrige Hang zum Niederen so tief in ihm drin, daß man zweifeln mutz, ob er empfänglich genug ist und für eine ungehemmt entfaltete Ausgliederuug, die zugleich in die Höhe steigt, jemals die erforderlichen Möglichkeiten ausbringt. Um so mehr darf man gespannt sein, was daraus wird.
Revolution und Airche
von Professor O. Karl Holt
nter dein obigen Titel haben Friedrich Thimme nnd Ernst Rolffs einen Sammelband von Aufsätzen veröffentlicht, der eins Selbstbesinnung der Kirche über die durch den 9. November für sie geschaffene Lage darstellt.') Klarheit zu verbreiten über die eingetretenen und noch möglichen Folgen der Umwälzung, Kräfte aufzurufen und Wege ins Neuland zu zeigen, ist der ausgesprochene Zweck des Unternehmens. Die Herausgeber waren bemüht, den weitschichtigen Gegenstand möglichst nach allen Seiten hin zu durchdringen. Das bekundet sich ebenso in der planmmäßigen Aufteilung des Stoffes, wie in der Auswahl der Mitarbeiter. Neben evangelischen Theologen, auf die die Mehrzahl der Beiträge entfällt, sind auch zwei Katholiken (Muth und von Brandt) und außer Thimme selbst noch ein weiterer Laie (Niedner) beigezogen worden. Immerhin kommt kein Vertreter eines schrofferen Standpunktes dabei zum Wort. Aber die Durchschnittsstimmung! in beiden Kirchen dürfte durch das vorliegende Buch Wohl richtig gekennzeichnet fein.
Ohne daß es irgendwo förmlich 'ausgesprochen würde, sind sämtliche Verfasser darüber einig, daß die Beseitigung der monarchischen Gewalt als etwa? Unwiderrufliches zu betrachten ist. Vielleicht hätte es der Aufrichtigkeit des Bekenntnisses zu der neuen Ordnung nicht geschadet, wenn gelegentlich auch der Verdienste, die der alte Obrigkeitsstaat trotz allem und allem um die Kirche gehabt hat, gedacht worden wäre. Am guten Willen wenigstens, der Kirche aufzuhelfen, hat es dem. preußischen Herrscherhaus bei all seinen Mißgriffen nicht gefehlt; insbesondere wäre es niedriger Undank, der Kaiserin ihre warmherzige Teilnahm« an aller kirchlichen Arbeit zu vergessen. Aber begreiflich genug ist es, daß man in evangelischen Kreisen den Wegfall des landesherrlichen .Kirchenregiments als eine Befreiung begrüßt. Denn tatsächlich hat dieses als ein schwerer Druck auf der ganzen Entwicklung des Luthertums gelastet. °) Ihm fällt die Hauptschuld zu, daß die deutsch-lutherische Kirche keine Volkskirche im wahren Sinn geworden ist, da ß alles, was in ihr an selbständig ein Unternehmungsgeist sich regen w ollte, sich in die freien Vereine flüchten mußte, daß namentlich im neunzehnten Jahrhundert die Gelegenheit, die soziale Frage im großen Stil aufzunehmen, verpaßt wnrde. Der Schade, der zuletzt noch dnrch die uuglücklichen Erlasse des Ober-
') Berlin, Georg Reimer, M. 12.—.
2) Ich darf dafür Wohl auf mein Büchlein „Die Bedeutung der großen Kriege sn« das religiöse und kirchliche Loben innerhalb des deutschen Protestantismus, Tübingen 1917" verweisen.