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Die Umwälzung in der Ukraine Ende 1918 und der Abtransport des deutschen Besatzungsheeres
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Der Räteaufbau

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Planlos der Heimat zustrebten; und dieser großen, nach Westen laufenden Stromnng entgegen fluteten Tausende und Abertausende aus den Gebieten der Zentralmachte zurückkehrender russischer Kriegsgefangener. Das alles im russischen Winter mit endlosen Nächten, Schneeverwehungen und grausiger KälteI Es waren für die verantwortliche Leitung lange, sorgenvolle WochenI Alles in allein eme Unsumme von Friktionen, die den Abtransport fast zu einer unlösbaren Aufgabe zu machen drohten und schließlich nur gelingen ließen, weil die Leistungen der ukrainischeil Eisenbahnen über Erwarten gute waren. Besonderes Verdienst hieran dürfte der ukrainische Feldeisenbahnchef, Oberst Waranjuk haben, mit dem unsere Eisenbahil-Zentralstelle vortrefflich zusammenarbeitete. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es, bis Ende Januar, einen Monat früher als planmäßig vorgesehen war, die gesamte Heeresgruppe mit Ausnahme der beiden Gruppen Charkow und Nikolajew nach der Heimat zu überführen. > ^.

Als der Hetman im April an die Spitze der Regierung m Kiew trat, konnte er auf eine glänzende militärische Laufbahn zurückblicken. Mit 37 wahren wurde er, aus der Garde .Kavallerie hervorgegangen. 1910 Kommandeur des stnn- ländischen Dragoner-Regiments Nr. 20 in Willmanstrand. 1912 General, nachdem er bereits 1911 den Befehl über das Leib-Garde-Reiterregiment in Petersburg übernommen hatte; im Kriege war er dann Führer eines Armeekorps. Reicher Grundbesitz und die Gesckichte seiner Familie verbanden ihn mit der Ukraine. Die Hetmcmschaft hat der Ukraine viel gutes gebracht; die begangenen politischeil Fehler können dem Hetman nicht die Sympachien der Soldaten raubeu. Unter seinen Nachfolgern, die das Volk gegen ihn in Bewegung gesetzt hatten, wuroe es nicht besser. Heute ist die Ukraine erneut ein Opfer des großrusstschen Bol­schewismus geworden. Nachdem anch Stcmislau an die Polen verloren gegangen, schewt sich das Direktorium selbst iu der engeren Heimat, der gcilizischen Ukraine, nicht mehr halten zu können.

Am 28. Januar hatte das Direktorium bereits wieder Kiew verlassen musseu. Große Pläne wurden noch Mitte Januar gesponnen; man wollte Lemberg, Cholm, Brest von den Polen. Bessarabien von den Rumänen zurückerobern, im Osten den Kampf gegen das Donland aufnehmen und im Süden bis an die Meeresküste vordringen. Darüber vergaß man den gefährlichsteil Gegner im Norden und verlor den Maßstab für die eigenen Mittel. Die Armee hatte noch Anfang November nnr ans einem Regiment beständen. Mit den zahlreichen neuen nur lose gefügten Ver­bänden konnte man nicht operieren wie mit einer geschulten Truppe. Nationale Begeisterung und guter Wille können wohl helfen, aber nicht den Maugel an Disziplin, Ausbildung und Organisation ersetzen. Wolleil und Können standen m keinem Verhältnis zu einander.

Der Räteaufbau

von Dipl. C2M. O. Lei brock

ie Frage des Räteaufbaues steht mitten im Strome der Entwicklung, von dem wir nur wissen, daß er reißend ist, aber nicht, wo er mündet. Alle auftauchenden Pläne sind deshalb mehr oder weniger Konstrnktivnen ins Blaue hinein, die jederzeit von der ^ Gefahr des Hinweggespültwerdens bedroht sind. Zwar ist der »W^^!sM Friede jetzt da; es fehlt jedoch völlig der freie Ausblick über unsere tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung. Solange es aber hieran gebricht, wird es unmöglich sein, etwas Positives zu schaffen. Mit Artikel 34a der Reichsverfassimg sind aber die Vorarbeiten scholl in die Hand genomnlen; ich habe im Heft 2(> Grenzboten III 1910 2