2
Volk in Not —
eine Studienfayrt an der Ostfront
Aus dieser Einsicht können wir den Glauben schöpfen, daß auch wir einmal einen Weg finden werden, der zur Höhe führt. Aber betrügen wir uns nicht. Alles um uns und das Meiste in uns ist gegen uns. Nur der eigene Wille kann helfen. Aber wenn er da ist, und wenn er langsam aus dem tiefen Elend der Zeit wieder erwächst zu neuer Kraft, dann werden wir den Weg auch finden, dann kann in der Tat ein Siebzigmillionenvolt nicht untergehen.
Das alte Reich ist tot. Wir, die wir in ihm unseren Stolz sahen und auf es unsere Hoffnung gesetzt haben, wollen noch einmal zurücksehen und uns der Tränen nicht schämen, nun es in Trümmern am Boden liegt. Es wäre schon zu verstehen, wenn bei dieser Erkenntnis die letzte Kraft, die vielleicht noch in uns ist, zusammenbräche, nnd wir teilnahmslos alles über uns ergehen lassen würden, was noch weiter an Elend und Schande über uns hereinbrechen wird.
Hier liegt der Gefahrpunkt, Wenn wir ihn nicht überwinden, wenn wir nicht mit jeder Haser uns empören gegen das, was der Feind uns auferlegt hat, und nicht aus dieser Empörung den steten Willen ziehen, nie anzncrkenneu, wozu Gewalt uns zwang, dann erst wird das Urleil der Geschichte endgültig gegen uns ausfallen. In unserem Willen liegt unsere Zukunft. Das Wort ist wahr, denn in ihm sind auch alle Zweifel enthalten. Aber ein junges Geschlecht wächst heran. Ein Geschlecht, das glaubte vollenden zu können, was die Väter begannen, und das jetzt tiefer anfangen muß, als je die Vüter es mußten. Aver gerade weil das Ziel uns nahe vor Augen stand, kennen wir seinen Wert und werden wir die Kraft zum Willen aufbringen, der mutig den Bau des neuen Deutschlands in Angriff nimmt. L. G. B.
Volk in Not — eine ^tudienfahrt an der Ostfront
von überblickner
litten in den überquellenden Frühling hinein ging unsere Fahrt: Heraus aus dem Blätlcrivalde der Zeitungen, fort von der „öffentlichen" Meinung zweier Dutzend Beauftragter, heran an das Volk und seine Not. Wir haben mit den Bergarbeitern in Obcrschlcsien, mit den ausgedörrten, lederschurzigen Lcutcn am Hochofen, mit ^ ihren Führern und Verführern, mit blonden und schwarzen, Allen und Jungen über Polen gesprochen. Von Breslau nach Oppeln, nach Benlhen und Kattowitz. In einem Kraftwagen ging die Reise dnrch das Gebiet der tausend Schlote: Königshülle, Biemarckhiilte, Laurahütte, Nybnik, Zaborze, Lipine bis Slubno, wo die kohlenschwarze Przcwsa und die weiße Przcmsa zusammenfließen. Hier an der Dreikaiserecke Deutschlands, Österreichs und Nußlands lehrt ein Blick über die Grenzflüsse nach Polen, daß deutsche Ingenieure und deutsche Arbeit, den Adcru unterirdischen Reichtums folgend, den Wohlstand, die Ordnnng, den Aufbau, die hinter uns stehen, noch Polen hinübergetragen haben. „Eher lassen Wir Oberschlesiens Industrie in Trümmer gehen, als unS polnischer Unkultnr auszuliefern', dem Bürgertum reichen wir zu entschlossener Abwehr polnischer Er- obernngssncht die Hand." Die ungelenken Worte der Arbeiter und der Grenzschutzleute boten die schlüssige NcchlfeUigung für die Ansprachen ihrer redcgcwohnten Fuhrer. In KönigslMle, dessen fast >^U000 Menschen zählende Bevölkerung sich ganz überwiegend ans Arbeitern polnischer Mnndart zusannncnsetzt, in Koitowitz, dem Verwaltungszentrum der Berg- und Hüttcnindnstrie, haben Kuudgcvnngeu stattgefunden für das Verbleiben beim Dentschtum, die, eiue gefählliche Gegenprobe des freien Menschenwilleus zu der Slaalcn- und Grenzkonstrnttion, hcllanf bezeugen, wie man die sonst doch im Rate der Vier erfühlte und erkannte Psyche