vom wahren Mhrertum
181
Es läßt sich heute noch nicht übersehen, in welchem Umfang die Gedanken des Sozialismus unter uns zur Verwirklichung kommen werden. Aber soviel müßte jedermann klar sein, daß der sozialistische Staat, wenn er überhaupt bestehen soll, das Christentum noch viel nötiger hat, als der alte Obrigkeitsstaat. Und auch das dürfte deutlich geworden sein, daß der sozialistische Staat weit davon entfernt ist, wie es die Religiös-Sozialen träumen, etwas wie eine Vorhalle zum Reiche Gottes zu bilden. Das Christentum wird in ihm nicht leichtere, sondern schwerere Arbeit finden. Es wird alle seine Kräfte aufbieten müssen, um die Mächte der Selbstsucht und der Diesseitigkeit, die gerade der Sozinlismus wachruft, zu überwinden.
M^^^M
ttt^^AWS^^
Vom wahren Führertum
Erinnerungen und Gedanken eines altgedienten Offiziers
ie war uns wahres Führertum nötiger als heute, auf allen nicht nur dem militärischen. Auf diesem freilich ganz besonders, nachdem nur uns bis auf weiteres auf ein Freiwilligen- beschränken sollen. Aus fast vierzigjähriger Dienstevfcchrung Frieden und vor dem Feind möchten die nachfolgenden Aus- einige Anregungen geben, was wir vom Führer
fordern müssen.
Welche Grundbedingungen muß wahres Führertum erfüllen? Der Führer sei Vorbild und Gefährte, das umschließt alles. Er stehe über den ihm Anvertrauten und dennoch mitten unter ihnen, er muß sie alle verstehen und erkennen, sich selbst erkennen und sich von jenen erkennen lassen; er gebe sein ganzes Sein und Können ihnen und nehme ihr Innenleben warmempfindeud in fich auf. Daraus allein entspringt Treue um Treue, wahre Führer- und Gefolgschlaft. Über völlige Beherrschung aller Aufgaben, vorbildliche, persönliche Haltung und Leistung, unermüdliche Fürsorge und opferbereite Selbstlosigkeit, unerschütterliche Gerechtigkeit und warnies Mitgefühl weit über den Dienstbereich hinaus führt der dornenvolle und doch so schöne Weg zu echter Führerschaft. Er war dem Offizier des alteil Heeres vorgezeichuet. Wenn unter vielen Dausenden der und jener ihn nicht fand, so war das menschlich. Die Mehrzahl folgte ihm, leistete Großes und starb oder führte unsere Truppen unbesiegt in die Heimat zurück. Doch lohnte Undank auch den bewährten Führer. - Man jagt ihn von Amt und Beruf und nimmt ihm sein feldgraues Ehrenkleid. Und aus der führerlosen, der schrecklichen Zeit soll nun eine neue Führerschaft erstehen.
Im Drang nach Umschwung und neuzeitlicher Gestaltung wird allzusehr vergessen, aus der Erfahrung gewaltiger Vergangenheit das Beste als Baustein zum neuen herüberzuretten.' Mögen die folgenden Ausführungen, als vereinzeltes Beispiel an Stelle von tausendeu, wie wir Führer wurden, dazu beitragen.
Alles selbst vou sich verlangen, selbst erproben und selbst leisten, was man vom Untergebenen fordert, war und bleibt erste Boraussetzung für anerkanntes Führertnm. Von der Pike auf zu dienen ist Erfordernis für jeden Führer. Mich ließ mit siebzchneinhalb Jahren mein Hauptmann alle, auch die geringsten Dienstverrichtungen des Soldaten mitmachen, dasselbe schwere Gepäck tragen, wie die Kameraden, ein Halbjahr die Menage mit ihnen teilen und zu fünfundzwanzig in einer Stube mit ihnen schlafen. Ich danke es ihn: heute noch, so schwer es mir damals schien. Dann kam für den jugendlichen Unteroffizier die Schule