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Demokratischer Parlamentarismus und Rätesystem
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Gin Bericht über Frauenbestrebungen der Gegenwart

Hinausschieben des Endkampfes um die politische Macht handeln. Vielleicht könnte eine kräftige Demokratie, ein Parlament, dessen Parteien in lebendiger Wechselwirkung mit der Nation ständen, diesen Kampf mit Aussicht auf Erfolg aufnehmen; ein verkalktes Parlament, daS nicht nur keinen öffentlichen Kredit mehr besitzt, sondern dessen Leben außerhalb der täglich zusammenschrumpfenden ParlcMiqucn überhaupt keine Beachtung mehr findet, kann das nicht.

Eine über Parteien und Berufen stehende, Autorität genießende, oberste Ncichsspitze, ein Monarch oder ein aus allgemeinen direkten Volkswahlen hervor­gehender Präsident könnte zwischen demokratischen und Berufsparlament vielleicht das Gleichgewicht herstellen. Beides haben wir nicht und werden wir nicht haben. Gewiß braucht auch der sreieste Volksstaat staatliche Autoritäten. Da die alten zerfallen sind, hängt unsere Zukunft davon ab, ob es gelingt von unten herauf neue zu bilden. Ist überhaupt noch staatenbildende Kraft in unserm Volk, dann wird diese Aufgabe irgendwie und irgendeinmal auch gelingen. Der Versuch, den Rätegedanken mit dem demokratischen Parlamentarismus zu verkoppeln, kann den GcsundungLprozeß nur aufhalten oder zu so schweren Erschütterungen führen, daß er unmöglich wird.

(Lin Bericht über Frauenbestrebungen der Gegenwart

von Dr. Mathilde Relchn-r

ie Zeiten, da die Frauen ihre Forderungen an die Gesellschaft bezüglich einer ungehemmten Beteiligung auf mannigfachen Gebieten des wirtschaftlichen und geistigen Lebens lediglich vom Standpunkt ihrer Subjektivität dialektisch begründeten, indem sie im Sinne des Liberalismus auf ihre Menschenrechte hinwiesen, sind längst vorüber. Tatsachen, mit allen Mitteln wissenschaftlicher Methodik festgestellte Tatsachen geben nunmehr der Frauenbewegung Grundlage und Zielstrebigkeit. Dieses objektive Material ist gegeben einerseits in der Entwicklung der wirtschaft­lichen und sozialen Lebensvorgänge nach der ihnen immanenten Gesetzlichkeit, andererseits in der psychischen und physischen Beschaffenheit der Frau. Wenn es offensichtlich geworden ist, daß die Gesellschaft der Mitarbeit der Frau im weitesten Umfang bedarf, so kann auch nicht übersehen werden, daß die Frau sich nicht ohne weiteres in den ursprünglich vom Manne bestimmten und ihm angepaßten Arbeitsprozeß einfügen läßt. Das Grundproblem der Frauenbewegung lautet demnach: wie sind der Frau diejenigen Stützen und Sicherungen zu gewähren, die im Hinblick auf ihre Organisation, insbesondere auf ihre Gattungsfunktionen, eine ökonomische Nutzung ihrer Arbeitskraft im Interesse der Volksgemeinschaft und eine kulturelle Förderung derselben ermöglichen? Auf der Grundlage objektiver Feststellungen über die wirtschaftliche und soziale Lage sowie über die naturgegebenen Schranken des Weibes ersteht also das eigentliche Arbeitsgebiet der Frauenbewegung, das in seinen Hauptlinien bevölkerungspolitisch, sozialpolitisch, insbesondere sozialhygienisch, rechtlich-politisch und kulturpolitisch bestimmt ist. Bei jeder Frauenfrage kommen alle diese Gesichtspunkte in Betracht, aber in der Weise, daß je nach der sozialen Schichtung der eine oder der andere in den Vordergrund tritt. Zum Beispiel lassen die Probleme, die die Fabrikarbeiterin uns aufgibt, den bevölkerungspolitischen, sozialpolitischen und svzialhygienischen Gesichtspunkt von besonderer Wichtigkeit erscheinen, während etwa die Berufs- fragen der akademisch gebildeten Frau im wesentlichen kulturpolitisch zu beurteilen sind.

Aus den Erfahrungen der letzten Kriegsjahre lassen sich immer nur mit großer Vorsicht Richtlinien für die Gestaltung des Frauenlebens in der bevorstehenden