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Konservativismus, Deutschnationale Volkspartei und Weltrevolution
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Aonservativismus, Äeutschnationale Volkspartei und Weltrevolution

von Dr. m«x Ljildebert Boehm

ls nach der Revolution die Erschütterung des gesamten politischen Lebens cn>f das Parteiwesen übergriff, mußten auch die Rechts­parteien in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Mode der neuen Firmenschilder griff in allen bürgerlichen Parteien um sich, das Bedürfnis nach taktischer Zusammenfassung war allgemein, uud so schlössen sich die beiden konservativen Parteien in einer neuen Partei zusammen, die den nationalen Gedanken in den Vordergrund schob, hinter dein inMeV'Tnt die Parteidifferenzen im Augenblick stark zurücktreten mußten. Das Losungswort zog noch weitere Kreise an sich, so daß in der Tat ein neues Pl,rteibild entstand, das nicht als eine einfache Fortsetzung des alten Konservati­vismus angesprochen werden konnte.

Schon von vornherein machte die Deutschkonservative Partei bei ihrem Anschluß an die Deutschnationale Volkspartei den Vorbehalt, daß sie ein völliges Aufgehen vermeiden wolle. Jetzt nach über ein viertel Jahr Deutschnationaler Vvlkspartei haben die Konservativen die Tagung des Hauptvorstandes der neuen Partei zum Anlaß genommen, um jenen Vorbehalt noch einmal zu unterstreichen, und die Kreuzzeituug bringt einen längeren Osterartikel des Grafen Westarp, der nicht sowohl von taktischem als von ideellem Gesichtspunkt aus die innere Selbständigkeit und den Fortbestand des reinen Konservativismus fordert. Man darf annehmen, daß der bekannte konservative Parteiführer damit nicht sowohl ein persönliches Bekenntnis ablegen, daß er vielmehr dem Grundempfinden breiter Kreise seiner engeren FrnkiionSfreunde einen sichtbaren dokumentarischen Ausdruck geben wollte. Es scheint damit nicht unangebracht, die von konservativer Seite selber angeschnittene Diskussion aufzunehmen und sich aufs neue die Frage vor­zulegen: in welchem Sinne und in welchen: Ausmaße hat der Konservativismus auch heute noch das Recht aus selbständige Existenz?

Es ist eine durchgängige Erscheinung, daß politische Parteibezeichnungen Nur unvollkommen den'Jdeenbestcmd decken, der unter ihrer Flagge segelt. Es ist aber mit einem solchen Auseinanderklaffen von Parteiname und Parteiidee die Gefahr verknüpft, daß es nicht nur von der gegnerischen Polemik ausgenutzt wird, sondern daß es darüber hinaus die Partei um diejenige Werbekraft bringt, die sie haben könnte, wenn schon in ihrem Namen ihr Wille und ihre Wegrichtung klar zum Ausdruck kämm. Es steht außer jedem Zweifel, daß die polnische Mentalität, die sich konservativ nennt, nur zu einem Teil durch den Willen zur E,Haltung des Bestehenden gekennzeichnet ist. Es wäre in der Tat traurig um eine politische Gruppe bestellt, die in diesem engen Sinns lediglich festhalten

Grenzvotcn II 1919 S