paxst Benedikt XV. und die Friedenskonferenz
von Archivrat Dr, I- Lulvös
ie bevorstehende große Friedenskonferenz hat gewissermaßen zwei' Vorläuserinwen in den Haager Friedenskonferenzen der Jahre 1899 und 1907 gehabt.
Unvergessen ist die Streitfrage, die jedesmal bei der Einberufung ausgeworfen wurde, ob unter den Souveränen und Staaten, die einzuladen feien, auch der Papst figurieren dürfe. Für die Heranziehung des Oberhauptes der katholischen Kirche sprachen mehrere Erwägungen, vor allem die Tradition, daß so oft schon Träger des Papsttums als Friedensvermittler von streitenden Parteien angerufen worden waren.
Wer erinnert sich dabei nicht des genialen Gedanken Bismarcks, in dem Zwiste zwischen Deutschland und Spanien wegen des Besitzes der Karolinen- Inseln Leo den Dreizehnten als Schiedsrichter vorzuschlagen/ Der Papst hatte sich des Anliegens in geschickter Weise entledigt, dadurch zugleich diese Tradition des Heiligen Stuhls zu neuen Ehren gebracht. Da war es vollkommen verständlich, wenn der geistige Vater der Haager Friedenskonferenz-Idee, Zar Nikolaus der Zweite, sich an Leo mit der eindringlichen Bitte wandte, die Idee durch seine moralische Autorität zu unterstützen. In weitestgehendem Maße wurde die Bitte erfüllt! Sielbstverständlich beabsichtigte die russische Regierung, den Papst zur Haager Konferenz Hinzuzlehen. Auch Frankveuh soll sich für diesen Plan eingesetzt habem Die italienische Regierung aber befürchtete eine Wiederaufrollung der römischen Frage, sie wollte unter allen Umständen sich einer Erörterung über das Thema der feit dem Falle Roms, feit dem 20. September 1870, schwebenden Päpstlichen Territorial- und Souverämtätsanfprüche entziehen. Darum erklärte sie zu Anfang 1899, an der Haager Konferenz nicht teilnehmen zu wollen, wenn der Papst auf ihr vertreten wäre. Wohl wurde des letzteren „wertvolle moralische Unterstützung" für die Konferenz und ihre großen Aufgaben auch von der Königin Wilhelmine von Holland erbeten, wohl ward in beiden Kammern der holländischen Gem,ralstaaten eine gleichlautende Protestnote gegen die Ausschließung des Papstes von der Konferenz eingebracht; trotz Modem wurde sie aus Rücksicht auf die Bedenken und Prätensionen der italienischen Regierung durchgeführt. Ebensowenig wie 1899 ist 1907 ein Vertreter des Papstes zur Haager Konferenz hmzugegezogen worden.
Beide Konferenzen 'sind in der Hauptsache ergebnislos geblieben. Die Nichtteilnahme des Papstes erschien fast allgemein als Fehler; von den meisten Bölkerrechtslehrern und vielen Staatsmännern wurde sie bedauert. Trotzdem droht der bevorstehenden Friedenskonferenz das gleiche Verhängnis!
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