52 Der unverdiente Wertzuwachs an. Grm-.d und Z^oden unicr den neuen Verhältnissen
ist aus dem unmittelbaren Empfinden des Volkes heraus ein Umschwung im Geiste der Wehrhaftigkeit, ein Erwachen nationalen Stolzes und Trotzes zu bemerken, der lediglich aus der unmittelbar verspürten Bedrohung von außen, keineswegs aus irgend welchen gegenrevolutionären Bestrebungen erwachsen ist.
Erfreulicherweise scheint auch bei der Berliner Regierung vielleicht durch die Ausscheidung des „unabhängigen" Pfahles im Fleische die Angst vor der eigenen Courage im Schwinden zu sein und damit endlich etwas wie eine machtpolitische Ermannung einzutreten. So hat der Volksbeauftragte Noske einer Bromberger Abordnung den Rat gegeben, die ostmärkischen Deutschen sollten im Einvernehmen mit den militärischen Kommandostellen getrost selber den Schießprügel ergreifen. Wie die Bromberger Vorgänge zeigen, kann dieses befreiende Wort auf den Widerhall in den breitesten Schichten des ostmärkischen Deutschtums rechnen. Wenn derart der Grenzschutz Ost so etwas wie eine Keimzelle der Erneuerung unserer militärischen Widerstandskrast bedeutet, so bann das von weittragender Bedeutung sür die Geschicke unseres ganzen Vaterlandes werden. Denn hier im Osten wird es sich entscheiden, ob unser Vaterland sich tatsächlich zur Barrikade Lenins, Trotzkis und Liebknechts hergeben muß. Der ostpreußische Bolden ist für diese entscheidende Auseinandersetzung nicht ungünstig. Der Ost- Preuße hat den Krieg am eigenen Leibe gespürt. Als die Berliner Schaumtörtchen aßen und auf dem Potsdamer Platz jeden Abend eine neue französische Festung eroberten, haben die im Osten unter den Schlägen der Knute den Kowo Larmations von seiner liebenswürdigsten Seite kennen gelernt. Dazu ist,- Ostpreußen ein Bauernland mit gesunden ungebrochenen Instinkten. Und jahrhundertelange Bedrohung durch ein fremdes Volkstmn hat im Ostmärker jenen völkischen Stolz, jenes nationale Selbstbewußtsein gezüchtet, das unserer Nation als ganzer in so bedauerlichem Maße abgeht. Verschließen wir uns nicht vor dem Ernst der Lage. Der Krieg ist noch nicht zu Ende. Der deutsche Osten hat noch nicht fein letztes Opfer auf dem Altare des Vaterlandes niedergelegt. Der Bolschewismus ist ein Feind, der mit den modernsten Machtmitteln arbeitet und doch nicht die alten militärischen Gewaltmethoden scheut, die unser aufgeweichter Liberalismus theoretisch so fix überwunden hat. Die Sicherung im Osten ist nicht das Pvivatinteresse von ein paar hunderttausend Ostmärkern, die man in Berlin leichten Herzens ins weltpolitische Lotteriespiel einsetzt. Der Grenzschutz Ost ist die Schicksalsfrage der deutschen Zukunft.
Der unverdiente Wertzuwachs an Grund und Boden unter den neuen Verhältnissen
W
von Dr. Dollinger
u den dringendsten Fragen der Neuordnung gehört diejenige der Behandlung des unverdienten Wertzuwachses an Grund und Boden. Mit ihr hängt in gewissem Sinn die gesamte Bodenpolitik zusammen.
Von jeher war man sich klar darüber, daß der unverdiente Wertzuwachs etwas sei, was bekämpft werden müsse.
An dem unverdienten Wertzuwachs bei Grundstücken hat niemand ein Interesse als der augenblickliche Besitzer und dieses Interesse ist weder berechtigt noch schutzwert. Der unverdiente Wertzuwachs entsteht ohne jedes Zutun des Besitzers, in den Städten durch die Ausdehnung der Stadt, durch die Tätigkeit der Behörden im Straßenbau, die das Grundstück baureif machen, durch Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und andere öffentliche Einrichtungen, durch die gesteigerte Nachfrage nach Wohnungen, durch Eingemeindung kleinerer Gemeinden in eine Großstadt »usw., alles ohne Mitarbeit und Opfer des Grundeigentümers.