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kauft. Anfangs lohnte sich das Geschäft, denn beim herrschenden Warenmangel war alles willkommen. Doch bald überstieg das Angebot die Nachfrage, mit der zunehmenden Lebensmittelteuerung schwand auch die Kauflust, denn wer gestern noch flüssiges Geld übrig hatte, sah sich heute selbst genötigt, seine Sachen zu Markt zu tragen.
So ist es denn dem Proletariat durch seine Revolution völlig gelungen, die besitzenden Klassen zu treffen, da die Bourgeosie in keiner Weise organisiert war, und sich auch nicht zu organisieren verstand; und heute liegt die russische Intelligenz aus tausend Wunden blutend am Boden, ein Opfer eben dieser Unorganisiertheit.
Was aber die Proletarier und ihre Führer nicht voraussahen, war der dadurch bedingte völlige Ruin des Staates und damit ihr eigener'Ruin, so daß der Selbsterhaltungstrieb sie eines Tages doch dazu zwingen wird, die Intelligenz zum Aufbau des Staates, zur Neuschaffung von Handel und Gewerbe wieder herbeizurufen.
Der Anmarsch des Bolschewismus und der deutsche Osten
von Dr. Max Hildebert Boehm
iga -in den Händen der Bolschewisten! Bartholomäusnacht im ! Baltikum! Ostpreußen von Flüchtlingen überschwemmt! Mit dieser Hiobspost krönt sich die Reihe von'Schreckensnachrichten aus dem Baltikum, die die Zeitungen seit Wochen füllen. Der Zusammenbruch der deutschen Ostpolitik, die kurzlebige Herrlichkeit der lettischen und ostnifchen Bourgeois-Republiken miniaturs und nun das Vordringen des Großrußlands von Trotzki und Lenin, die erneute Barbarisierung der auf kurze Dauer vom östlichen Joche befreiten baltischen Marken: so spiegelt sich im östlichen Grenzgürtel der beispiellose Niedergang deutscher Weltpolitik, den uns die letzten Monate gebracht haben.
Der kürzlich zum Außerordentlichen Gesandten bei der lettischen und estnischen Republik ernannte Generalbevollmächtigte für die baltischen Lande August Winnig hat mit geschickter Hand und kluger Anpassung an die Verhältnisse aus dem großen Bankrott zu retten gesucht, was sich in letzter Stunde noch retten ließ. Die Gründung autonomer Letten- und Estenstaaten, so kurzsichtig in weltpolitischem Betracht diese Politik eines kleinen Häufleins ehrgeiziger Bürger dieser politisch noch so uureifen Nationen auch war, konnten wir nicht mehr aufhalten, nachdem mit unserer militärischen Macht auch die Möglichkeit vernichtet war, dort im Osten große Politik nach europäischen und Weltgesichtspunkten zu machen. Aufgabe des rcalpolitischen Konkursverwalters konnte es nur sein, die gänzliche Uberrennung der reichsdeutschemund der deutschbaltischen Interessen zu verhüten. Als (Linsatzmittel konnte Winnig unsere im Lande noch Vorhandelle Truppenmacht nutzen. Die lettische und estnische Unzufriedenheit, dieUnbescheiden- heit ihrer Forderungen hatte in den letzten Jahren nur deshalb so groteske Ausmaße gewinnen können, weil die deutsche Machtstellung im Osten das bolschewistische Gespenst ein sür allemal verbannt zu haben schien. Diese Sachlage veränderte sich von Grund auf mit dem Augenblick, wo unsere militärische Machtstellung zusammenbrach und der Bolschewismus in Deutschland selber sein Haupt aufreckte. Damit wurde die bolschewistische Gefahr auch im Baltikum wieder atut und die Letten und Esten, die in der deutschen Besatzungsmacht nur den