Maßgebliches und Unmaßgebliches
erweitern möchte, müssen sie alle befriedigt werden, die vom Quell der Bilduna trinken wollen. Je dehnbarer die ganze Anlage des Lehrbetriebes ist, je sorgfältiger die jeweilige Znsammensetzung der Hörerschaft und ihre wechselnden Bedürfnisse beachtet werden, je feiner die Vorlesungen und Übungen vom Elementarkursus bis zum Oberseminar und zum wissenschaftlichen Besprechungsabend gegliedert und abgestuft werden, um so vollkommener wird die deutsche »Umversit? lZxtenswn" ihre große Aufgabe erfüllen und, dank dem festen Zugreifen der Regierung und hoffentlich der Opserwilligkeit deutscher Mitbürger und städtischer Verwaltungen, ihr engliches Vorbild nicht bloß einholen, fondern überflügeln.
Maßgebliches ur
A. Hoffmam», und K. Hiinisch. Zur Entstehungsgeschichte des Rsformprogramms des preußischen Kultusministeriums, das Dr. Max Hildebert Boehm in Nr. 50 der Grenzboten einer interessanten Kritik unterzogen hat, erhalten wir von bestunterrichteter Seite einige Einzelheiten, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen, da sie ein merkwürdiges Licht auf die Art und Weise werfen, wie im Bannkreis Adolf Hoffmanns in Kultur „je- nuicht" wurde. In später Stunde unmittelbar vor einer Parteisitzung versammelte Hossmann einige seiner Getreuen im Ministerium um sich und verlangte von ihnen als Unterlagen sür ein Referat vor seinen „Jenossen" ein Exposee über das neue Kulturprogramm. Das in wenigen Minuten von einem der Anwesenden hingeworfene Konzept hat Hoffmann alsdann als offiziöse Kundgebung des Kultusministeriums brühwarm der „Freiheit" zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Auch die überstürzte Aufrollung der Entstaatlichung der Kirche ist lediglich auf das Drängen Hoffmanns zurückzuführen, der sogar damit gedroht hat, die Frage nach Art des Doktor Eisenbart durch Arbeiter- und Soldatenräte „lösen" zu lassen.
Das kollegiale Zusammenarbeiten der beiden Kullurgewnltigen erinnert immer mehr an die „Arbeitsteilung" zwischen einem, der sich mit Petroleumkanne und Streichhölzern als Brandstifter sich betätigt und einem anderen, der mit Spritze und Löscheimer hinter ihm her ist, um das angerichtete Unheil halbwegs wieder gut zu machen.
Die Geduld Konrad Hänischs, mit der er sich zu der Sysiphnsarbeit hergab, wenigstens
> Unmaßgebliches
der gröblichste» kulturpolitischen Greueltaten seines Zehn-Gebote^Jenossen die Spitze abzu- biegen, verdient den Dank und die Anerkennung gerade auch des bürgerlichen Lagers. Das heitere Treiben Hoffmanns und der kleinen Propheten aus seinem Stäbe — (der „Pressechef", weiland „Friedhofsverwalter" Hnrndt mit seinen stilistischen Fähigkeiten, die seines Meisters Wahrhast würdig sind, ist ein besonders drolliger Koch in Neupreußens kulturpolitischer Garküche) —nötigte Hänisch zu jenen dauernden Nichtigstellungen, durch die die Öffentlichkeit bereits auf das freundbrüderliche Verhältnis der Hoffmann-Jüngerschaft und der nicht von jeglicher Vernunft und Einsicht unabhängigen Gefolgschaft Hänischs innerhalb des Kultusministeriums aufmerksam geworden ist.
Im ersten Januarheft der „Glocke" sucht Haenisch seine Partei von dem Vorwurf der Religionsfeindschaft zu reinigen, indem er mit großer Offenherzigkeit die auf die Kirche und die Pflege der Religion bezüglichen Erlasse der sozialistischen Regierung als kolossale politische Dummheiten kennzeichnet. Er spricht von „rechthaberischem Eigensinn", der das Gute will und das Böse schafft, von „kleinbürgerlicher Beschränktheit, die sich Wunder wie revolutionär dünkt, in Wirklichkeit aber durch und durch reaktionär wirkt, die gern von Weltrevolution faselt, tatsächlich aber nicht über die Grenzen von Berlin O und Berlin N hinauszusehen vermag", kurz er läßt es nicht an Deutlichkeit fehlen, und man begreift Wohl, daß er angesichts der „Kulturpolitik" seines Ministerkollegen an dieser „ahnungslosen Kleinbürgerei" verzweifeln möchte. Die