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Mehr politische Klarheit!
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Wandlungen des historische«, Interesses '

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ihre Fahne zu schreiben verstehen. Es ist keine politische Weisheit, wenn jemand glaubt, Blut und Eisen seien die einzigen Requisiten einer guten Politik. Gewiß, sie gehören dazu, und Bismcirck versland sie zu handhaben. Aber er konnte noch mehr, und es ist die Frage, ob er in der heutigen Politik gerade die Kürassier­stiefel anzöge!

Wandlungen des historischen Interesses

von Dr. Richard Müller-Freicnfels

enn man den Forschungsbetrieb der Geisteswissenschaften, so wie er sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, auf seine tiefsten Antriebe und Methoden hin prüft, fo wird man nicht verkennen, daß eine tiefgehende Wandlung langsam, wenig bemerkt vielfach, aber dennoch mit unfehlbarer Sicherheit stattgefunden hat. Noch immer erscheint dieGeschichte" als die typische Form der Geistes­wissenschaften, noch immer werden die Tatsachen der Literatur, der Kunst, der Politik, der Religion, kurz aller Gebiete des Kulturlebens am Faden des histo­rischen Nacheinander aufgereiht. Und doch läßt sich zeigen, daß das Forschungs­interesse, das wir heute diesen Tatsachen entgegenbringen, kein spezifisch historisches mehr ist; es läßt sich auch beweisen, daß die Fragestellung des neusten Forschungs­betriebs der Geisteswissenschaften dem spezifisch historischen direkt entgegen­gesetzt ist.

Suchen wir kurz darzulegen, was überhaupt das Wesen der historischen Forschung ausmacht! Alle Geschichte beginnt damit, daß die Erinnerung an Geschehnisse, die als etwas Besonderes, Außergewöhnliches, in irgendeinen! Sinne Bedeutendes galten, wachgehalten wurde. Im weiteren Verlauf kam man zu immer ausgedehnterer Sammlung von solchen Tatsachen; n^cht nur, was für den einzelnen oder seine Gruppe bedeutsam war, wurde festgehalten: der Trieb, besondere und merkwürdige Tatsachen zu sammeln, wird etwas Selb­ständiges und Eigenwertiges; überall her sucht man solche Tatsachen zusammen und stapelt sie auf. Indessen stellte sich diesen Massen gegenüber ein Bedürfnis der Ordnung ein, und man fand ein Ordnungsprinzip in der zeitlichen Aus­einanderfolge. Indem man einen möglichst einheitlichen Zusammenhang nnt ursächlicher Verknüpfung aufsuchte, wurde die Erzählung von Geschichten zur Wissenschaft der Geschichte. Indessen damit begnügte man sich nicht; man wollte das Nacheinander als eine sinnvolle Aufeinanderfolge begreifen: entweder man sah darin das Walten der Vorsehung oder die Verwirklichung bestimmter Ideen (etwa der der Freiheit) oder neuerdings, nachdem alles Teleologische in Verruf gekommen war, wurde der Begriff der Entwicklung vorherrschend. Das bloße Nacheinander schien nicht zu genügen, man wollte ein Höher- und Besserwerden in irgendeinem Sinne ausz«naen. Zugleich aber sah mau ein, daß die Geschichte als Ablauf einer isolierten Reihe auf Einzelgebieten etwas Unvollkommnes ist. Man suchte FühluM und Verknüpfung zwischen den verschiedenen Gebieten. Man isolierte nicht mehr die Kriegs- und politische Geschichte, sondern setzte sie in innere Beziehungen zur wirtschaftlichen, zur sozialen, zur Geistesgeschichte. Ja, es gewinnen diese Beziehungen des Nebeneinander immer mehr an Nachdruck, man glaubt nicht mehr an eine immanente, isolierbare Kausalität zwischen den Tat­sachen, sondern sucht einen tieferen Boden, aus dem alle die verschiedenen Tat­sachen erwachsen.