122
Verben und verbalformen der vogtländischen Mundart
Verben und Verbalsormen der vogtländischen
Mundart*)
von Theodor Hofmann
ern gebraucht der Vogtländische Dialekt „tun". „Ihr tut woll spilln?" MWM'HMl fragt's Kind. „Tu fei emoll schrcim!" ist die letzte Mahnung der WA^MsVW Mutter für's scheidende Kind, Oder da rät der Floh, dem Verhängnis l MWÄM Z zu entrinnen, dem nomo sapiens: „Tatt miech ner net wulchern
(zwischen den Fingern reiben), lieber äffn Hackstock unn drschla" und WM^AzMWis — „fortghupft". »Tut ner net sur gfenzig!" heißt: nehmt euch nur Zeitl „Der tut siech immer wieder dertobern" ----- erholen, wird von einem ewig Kränkelnden gesagt, der sich aber doch nicht werfen läßt. — Auch „machen" nimmt der Volksmund gern. Die junge Witwe „macht wieder zu ihren Leiten", das sind die Eltern; der Reisende „macht" nach Berlin.
Die dampfenden Gerichte läßt man erst „austurweln", ausrauchen. Zerkochte Kartoffeln sind „zermatschte"; fehlt ihnen das Fett, „drosseln" sie? der Kaffee u.a. „grellt". Das Fleisch wird, ums mürbe zu machen, „gebleit"; die unartigen Jungen werden „verbleit". Das Rösten des Brotes aus der Ofenplatte heißt bäen. „Der kranke Finger schert miech ober!" meint die Hausfrau, sie will Mehl einquierteln ----- einrühren. Etwas beschädigen, ist dialektisch „okulln". — Schelln gitts wie die Näpf' und wie die Backmuldern. Ausdrücke des elterlichen Strafvollzuges sind versohlen, verledern, auslaschen. — Wer den Mund nicht halten kann, „puppert" gern; „klatscht" und „bietelt" vielleicht auch. — Verleugnen ist mundartlich verlaunge; gelingen, glücken-----schlauen. „Dem Hot's geschlaut!" Der hatte Glück. — „Wer laaft. is gut gechen" heißt hochdeutsch: Wer läuft, ist gut jagen! — Den Fuß verstauchen ist „den Fuß derbelln". Für anfassen sagt der Volksmund „apackm". Wer recht „schnell macht", „schickt" sich, muß dann „heschen und gebsen". — Der im Dialekt redende Vogtländer „haucht siech hi", „kripft siech zsamm", d. i. kauert sich und zieht sich zusammen; er guckt nicht, sondern er „gutzt". Jemanden scharf und unverwandt ansehen, ist „aufgabeln". — „Mach ner kaan Ztschotsch!", Ztschoch ist sonst die Bezeichnung des Galopps — sagt er, wo wir hochdeutsch sagen: „Mach nur keine Geschichten!" — Der Vater schöppelt und zufielt die Kinder an den Haaren, sumpert ihnen Backpfeifen rein, die sonnen (brummen). Nach solchen „Genüssen" „guckt diesen der Buckel" natürlich nicht. — Die geplagte Hausfrau muß sich tüchtig abäschern und abrackern, (Abäschern ist übrigens schon bei Wieland volkstümlich; abrackern ist aus dem Ndd. importiert, wo Racker ----- Schinder ist.) „Du kaast ein' ober questinge! (quälen), du machst miech doch ganz gocherr!" (machst mich ganz irre — sie zählt eben —). meint sie zum Kind, am liebsten möchte sie's „fortstenzen" (fortjagen). Und das möchte nun am liebsten knautschen, greinen, flennen und einePfluntsch (ein dummes Gesicht) machen. Warten heißt mundartlich „lauern".
Welche Rolle im vogtländischen Volksleben daS Hutzengehen spielt, verrät die Antwort unseres ehemaligen Nachbarsjungen auf die Frage nach „Nam' und Art": „Jech bi der Haumerschaugust und zum Hufner — die ortsübliche Bezeichnung unseres Familiennamens — gi iech hutzen." Auch Männer gehen hutzen. So erinnere ich mich noch sehr gut eine» braven „antiken" Junggesellen, der an den Wwternachmittagen — mit dem Strickgoller angetan, das obligate Schaltuch um den Hals, die Pfeife mit dem großen Holzkopf — sie hieß Ulmer — im Munde und mit der Hauptsache, dem Spinnrad, am Arme, die Bekannten für einige Stunden besuchte. — In der „Hutzenstumm" bändeln die Burschen gern mit den Mädels an und „zeckeln" mit ihnen. Werden sie aber „ausgehoben" und müssen
*) Man vergleiche hierzu unseren Aufsatz „Altes und mundartliches Sprachgut der vogtländischen Heimat" vom gleichen Verfasser in Heft 31, 1917.