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Verben und Verbalformen der vogtländischen Mundart
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Verben und verbalformen der vogtländischen Mundart

Verben und Verbalsormen der vogtländischen

Mundart*)

von Theodor Hofmann

ern gebraucht der Vogtländische Dialekttun".Ihr tut woll spilln?" MWM'HMl fragt's Kind.Tu fei emoll schrcim!" ist die letzte Mahnung der WA^MsVW Mutter für's scheidende Kind, Oder da rät der Floh, dem Verhängnis l MWÄM Z zu entrinnen, dem nomo sapiens:Tatt miech ner net wulchern

(zwischen den Fingern reiben), lieber äffn Hackstock unn drschla" und WM^AzMWisfortghupft". »Tut ner net sur gfenzig!" heißt: nehmt euch nur ZeitlDer tut siech immer wieder dertobern" ----- erholen, wird von einem ewig Kränkelnden gesagt, der sich aber doch nicht werfen läßt. Auchmachen" nimmt der Volksmund gern. Die junge Witwemacht wieder zu ihren Leiten", das sind die Eltern; der Reisendemacht" nach Berlin.

Die dampfenden Gerichte läßt man erstausturweln", ausrauchen. Zerkochte Kartoffeln sindzermatschte"; fehlt ihnen das Fett,drosseln" sie? der Kaffee u.a. grellt". Das Fleisch wird, ums mürbe zu machen,gebleit"; die unartigen Jungen werdenverbleit". Das Rösten des Brotes aus der Ofenplatte heißt bäen.Der kranke Finger schert miech ober!" meint die Hausfrau, sie will Mehl einquierteln ----- einrühren. Etwas beschädigen, ist dialektischokulln". Schelln gitts wie die Näpf' und wie die Backmuldern. Ausdrücke des elterlichen Strafvollzuges sind versohlen, verledern, auslaschen. Wer den Mund nicht halten kann, puppert" gern;klatscht" undbietelt" vielleicht auch. Verleugnen ist mundartlich verlaunge; gelingen, glücken-----schlauen.Dem Hot's geschlaut!" Der hatte Glück.Wer laaft. is gut gechen" heißt hochdeutsch: Wer läuft, ist gut jagen! Den Fuß verstauchen istden Fuß derbelln". Für anfassen sagt der Volksmundapackm". Wer rechtschnell macht",schickt" sich, muß dannheschen und gebsen". Der im Dialekt redende Vogtländerhaucht siech hi",kripft siech zsamm", d. i. kauert sich und zieht sich zusammen; er guckt nicht, sondern ergutzt". Jemanden scharf und unverwandt ansehen, istauf­gabeln".Mach ner kaan Ztschotsch!", Ztschoch ist sonst die Bezeichnung des Galopps sagt er, wo wir hochdeutsch sagen:Mach nur keine Geschichten!" Der Vater schöppelt und zufielt die Kinder an den Haaren, sumpert ihnen Back­pfeifen rein, die sonnen (brummen). Nach solchenGenüssen"guckt diesen der Buckel" natürlich nicht. Die geplagte Hausfrau muß sich tüchtig abäschern und abrackern, (Abäschern ist übrigens schon bei Wieland volkstümlich; abrackern ist aus dem Ndd. importiert, wo Racker ----- Schinder ist.)Du kaast ein' ober questinge! (quälen), du machst miech doch ganz gocherr!" (machst mich ganz irre sie zählt eben). meint sie zum Kind, am liebsten möchte sie'sfortstenzen" (fort­jagen). Und das möchte nun am liebsten knautschen, greinen, flennen und einePfluntsch (ein dummes Gesicht) machen. Warten heißt mundartlichlauern".

Welche Rolle im vogtländischen Volksleben daS Hutzengehen spielt, verrät die Antwort unseres ehemaligen Nachbarsjungen auf die Frage nachNam' und Art":Jech bi der Haumerschaugust und zum Hufner die ortsübliche Bezeichnung unseres Familiennamens gi iech hutzen." Auch Männer gehen hutzen. So erinnere ich mich noch sehr gut eine» bravenantiken" Junggesellen, der an den Wwternachmittagen mit dem Strickgoller angetan, das obligate Schaltuch um den Hals, die Pfeife mit dem großen Holzkopf sie hieß Ulmer im Munde und mit der Hauptsache, dem Spinnrad, am Arme, die Bekannten für einige Stunden besuchte. In derHutzenstumm" bändeln die Burschen gern mit den Mädels an undzeckeln" mit ihnen. Werden sie aberausgehoben" und müssen

*) Man vergleiche hierzu unseren AufsatzAltes und mundartliches Sprachgut der vogtländischen Heimat" vom gleichen Verfasser in Heft 31, 1917.