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108 Ideale und Irrtümer der clsaß-^lothringischen Frage
es bedeutet, daß er die gefährlichsten und nächsten Feinde Deutschlands, deren ganze Politik aus einer Quelle gespeist wird: aus dem Erbhaß gegen alles Deutsche, stärkt und ermutigt. Und zwar in einem Augenblick ermutigt, in dem es sich nicht mehr um literarische Federkämpfe, um papierne Spielereien und spitzfindig-mbu- listische Kunststücke handelt, in dem vielmehr jedes Wort auf beiden Seiten gewogen werden sollte, weil es eine Stärkung jener Waffen bedeuten kann, denen unsere Krieger ausgesetzt sind. Spielereien wie die des Literaten verdienen eine Beurteilung zum mindesten wie das fahrlässige Schwätzen über militärische Geheimnisse.
Ideale und Irrtümer der elsaß-lothringischen Frage
von Dr. Paul wentzcke S. Neue Probleme
er alle die mannigfachen Erörterungen, die unsere elsaß-lothringische- Frage durchziehen, sichtet und ordnet, ,wird unschwer auch heute die alte Entwickelungsreihe wieder auftauchen sehen: vom Pufferstaat geht der Weg über die verschiedenen Fassungen und Deutungen der Autonomie und des Reichslandes hinüber zur Forderung der Aufteilung Elsaß und Lothringens unter die angrenzenden Bundes- staaten und endlich zur Hoffnung auf endgültige Angliederung an den Führerstaat des Reiches, an Preußen.
Eine internationale Regelung des Problems allerdings gibt es für das- deutsche Volk nicht. Hinter dem scharfen „Niemals!", das Staatssekretär Kühlmann vor Monaten schon in feierlicher Reichstagssitzung allen Zweiflern und Zagenden entgegenhielt, stehen die Vertreter aller Parteien und Stämme auch in dem Sinne, daß wir uns von keiner Seite, auch nicht von Neutralen oder Bundesgenossen, in die Neuordnung des staatsrechtlichen Verhältnisses des „Reichslandes" zum Reiche hineinreden lassen. Vor allem darf die Frage daher auf keinen Fall, auf dem künftigen Friedenskongreß zur Sprache gebracht werden. Wackere Vaterlandsfreunde konnten zwar im Elsaß selbst noch vor einem Jahre ernsthaft die Befürchtung aussprechen, daß am grünen Tisch der Diplomaten auch über das künftige Schicksal Elsaß und Lothringens verhandelt werden solle, um dem geschlagenen Frankreich'die „Lösung vom Feinde" zu erleichtern, indem es selbst Stimmrecht in einer rein innerdeutschen Streitfrage erhalte. Die Erhebung des Reichslandes zum autonomen Bund es stcmt unter dem Schutze oder wenigstens unter Zustimmung der Großmächte, so sagte man wohl, werde den Neutralen gegenüber das „Selbstbestiminungs- recht der Völker" auch hier im Depressionsgebiet am Oberrhein zur Ehre bringen und- so den guten Ruf der Entente im Kampf für Freiheit und Recht wahren, ohne einer der beiden feindlichen Nationen irgendwie Abbruch an Macht und Ansehen zu tunl Schwächlich genug konnte noch die vor wenigen Monaten geschriebene Broschüre eines Straßburgcr Ministerialrales gar meinen, daß eine befriedigende Regelung der reichsländischen Zustände „auch unsere gegenwärtigen Feinde von unserem Rechte auf das Land überzeugen würden"*). Die Ereignisse im Osten und- vor allem der neue Vormarsch gegen Calais und AmienS, gegen Chalons und Paris haben inzwischen diese Befürchtungen, wie wir hoffen dürfen, zerstreut. Sie müssen auch die leichtgläubige,: Schwärmer bekehrt haben, die bisher immer noch die Sympathien im Ausland und insbesondere bei den „Neutralen" als ausschlag-
*) Unter^dem Decknamen Wahrmund Wasgauer, „Die elsasz-lothrmgische Versorgungsfrage". 1913.