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Maßgebliches und Unmaßgebliches
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Weltvölkerbund und Weltgleichgewicht.
Ein Weltvölkerbund ist das neueste Be- glückungsziel der Lenker der Weltgeschicke, der leitenden Persönlichkeiten des Angelsachsen- tums; ein Völkerbund, der den ewigen Frie» den verbürgt und zu dem auch Deutschland mit seinen Verbündeten nach ihrer Demütigung und endgültigen Knebelung in Gnaden zugelassen werden sollen. Kein Krieg wird dann je wieder die Erde durchtoben, alle Mißstimmungen der Nationen werden friedlich, schiedlich beglichen werden, und wenn wirklich einmal ein Übeltäter gegen den Spruch des unfehlbaren Wohlfahrtsausschusses dieses Völkerbundes sich auflehnen sollte, so wird dem Frevler durch die Machtmittel des gesamten Verbandes unverzüglich das verdiente Ende bereitet werden.
Fürwahr ein Ziel, jeder Anstrengung wert, soweit die innere Hauptsache, der gegenseitig verbürgte Friedenszustand, in Frage käme; aber zugleich ein Ziel, das in sich unbedingt die Verneinung seiner Gesamtexistenz trägt, wenn die Umhüllung dieses Kernes zur Bedingung seines Daseins erhoben wird. Denn was besagt die Absicht der vorherigen Knebelung Mitteleuropas bei der in Aussicht genommenen Gründung jenes Völkerbundes? Nichts anderes, als daß das Ziel, dessen lockende Gloriole den harrenden Völkern in den mystischen Nebeln des künftigen Weltfriedens strahlend gezeigt wird, das gleiche geblieben ist, das der Selbstsucht des geeinten Angelsachsentums überhaupt den Ansporn zur unentwegten Fortführung des Weltkrieges gegeben hat: die Aufrichtung des absoluten angelsächsischen Weltimperiums durch Vernichtung der letzten Mächtegruppe, die imstande ist, dem geeinten Angelsachsentun: die Spitze zu bieten und damit das anglo-ame- rikanische Joch vom Nacken aller anderen Nationen fernzuhalten.?
Wir heben hervor: aller anderen Nationen!
Ist Mitteleuropa vernichtet, so ist die Freiheit der Welt unwiederbringlich verloren. Oder sollte jemand glauben, daß da» England, das seit Jahrhunderten die Völker des Erdballs in stets steigender Selbstvergottung zum Spiel seiner selbstsüchtigen Interessen gemacht hat, sich scheuen würde, aus der Niederzwingung seines letzten Gegners die politischen Konsequenzen zu ziehen? Ist dem Zwingherrn Irlands, Indien», Ägyptens, Griechenlands gegenüber irgendein Zweifel überhaupt möglich? Keine Mächtegruppe, geschweige ein einzelner Staat vermöchte fernerhin die Ver- knechtung der Welt, deren riesiger Schatten augenblicklich über die blutstarrende Erde läuft, noch aufzuhalten.
Nicht nur für die eigene Freiheit also, n»in, für die Freiheit der Welt blutet Deutschland im gegenwärtigen Kriege. Das wird dann anerkannt werden, wenn durch sein Ausharren die Gefahr der Weltknechtung abgewendet, das freie Spiel der politischen Weltentwicklung weiter gewährleistet ist. Nicht Weltherrschaft strebt demnach Deutschland an, sondern Weltgleichgewicht. Seiner Schaffung allein wird die Zukunft dienen müssen. Nur ein siegreiches Mitteleuropa als Gegenpol ^ zum lastenden Druck des angelsächsischen Weltimperiums wirkt für alle gleichgearteten oder gleichstrebigen Mächtegruppen die Möglichkeit ihres freien Zusammenschlusses, ihrer politischen Konsolidierung; nur ein starkes Mitteleuropa läßt entgegen der steten Bedrohung durch die Angelsachsen für die Zukunft die Herstellung des politischen Weltgleichgewichts und damit eines aus gleichterechtigten Gliedern bestehenden Weltvöllerbundes erhoffen, dem das Erstarken der japanisch-chinesischen Welt, das Aufblühen des lateinischen Amerika und das Wiedererstehen des europäisch-asiatischen Slawenreiches die nötige Präponderanz vielfacher, belebender Interessengegensätze verleihen dürfte. vr. K, W. Friedrichs