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Ideale und Irrtümer der lothringischen Frage. 3. Bismarck und die Begründung des Reichslandes
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Publizisten Nord- und Süddeutschlands vor Augen trat. Die diplomatischen Ver- Handlungen selbst werden von internationalen Rücksichten, vom Gegensatz der Dynastien und der Stämme beherrscht. Leise klingt bereits mißtönig der Streit wirtschaftspolitischer Interessen hinein, während von außen her die Eifersucht der europäischen Großmächte drohend die Entscheidung beschleunigt. Und über all dem die großen Linien weltbürgerlicher und nationaler Staatsanschauung, die im Kleinen und Großen um die Herrschaft ringen. In diesem Gewirr einen Ausgleich zu schaffen, der alle größeren Parteien und alle Verbündeten befriedigen konnte, war die Aufgabe, die Bismarck nicht nur in der Reichsgründung im Ganzen, sondern insbesondere auch in der Schöpfung desReichslandes" gestellt wurde. Daß die Lösung, die er fand, noch unvollkommen war, gestand er selbst offen im Reichstag ein. Oft genug hat der gewaltige Staatsmann betont, daß Politik nur die Kunst des Möglichen und des für den Augenblick Erreichbaren ist, daß sie sich das Ziel, das absolut Beste und Wünschenswerte zu schaffen, nicht stecken darf. Auch derBundesstaat", der über'demReichsland" stand, trug ja dieselben Züge eineskunstvollen Chaos". Sollen wir daher -auch dasReich" nur als eineVerlcgenheitSschöpfung" ansprechen? Wer. wie der Bundeskanzler selbst, an die Zukunft Deutschlands glaubte, mußte auch Vertrauen gewinnen zur Zukunft Elsaß und Lothringens. Auf welchem Wege aber diese Entwicklung vor sich gehen werde, das konnten Staatsmänner und Parteiführer nur wünschen und anstreben: Die staatsrechtliche Form war geschaffen; ihr Leben und Inhalt zu geben, übernahm die Nation, der von nun an inniger denn je vorher Begriff und Wesen desReichslandes" verbunden war.

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An den Herausgeber

^ ärkische Bauern beklagen den Diebstahl der Kleidung ihrer Vogel- scheuchen von den Feldern. Ein Vogelscheuchenkleiderdieb bekannte, daß er und seine Kollegen mit der zwangsweisen Entkleidung von Vogelscheuchen ein Geschäft machen, weil die Kleider gut bezahlt werden. Zu derselben Zeit las man im Bericht über das Entmün- drgungsverfahren gegen den Prinzen Leopold (Sohn), daß der Prinz (Sohn) bei emem Schneider für 38000 Mark Kleider machen ließ, darunter 48 Sakkoanzüge, was auch für einen Prinzen eine immerhin ausreichende Be- kleidung darstellt. Hier offenbaren sich die Gegensätze einer Zeit, die von der ungeheuersten Anhäufung von Geld- und Warenkapital zur Höhlenmenschen­bedürftigkeit übergehen mußte. Es war ein eigenartiger Genuß, gerade jetzt in jenem Prozeßbericht die Untersuchungen über die Frage zu verfolgen, bei welcher Form des Kunstgenusses, welcher Art der Tischgesellschaft und welcher Höhe der hinausgeworfenen Summen für einen Prinzen die Entmündigungsgrenze erreicht ist. Man merkte wieder einmal, was Überfluß ist, Überfluß an Geld bei dem Prinzen und Überfluß an Zeit bei den Leuten, die gerade jetzt nichts Wichtigeres zu tun haben, als einen solchen Prozeß öffentlich austragen zu lassen. Daß Prinz und Prinz zweierlei ist, lehren die Prinzen, die den Soldatentod ge­storben sind und daß bürgerliche Erben und Zerstörer großer Vermögen auch zu­weilen 48 Sakkoanzüge besitzen, ist bekannt. Aber die Prinzen umgibt auch im Zeitalter der Arbeit, der Demokratie und der Vernunft noch ein Nimbus, der ihre Affären über die der Herren Meyer und Schulze hinaushebt. Dieser Nimbus GrenzbotmIII 1918 4