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Jas Palästinaproblem
Das Palästinaproblem in seiner Bedeutung für die deutsche Politik
von Schulrat Eberhard
emnächst wird das neugegründete Komitee „?rc> ?iüaestina. Deutsches Komitee zur Förderung der Jüdischen Palästinasiedlung" mit seinen ersten Veröffentlichungen an eine breitere Öffentlichkeit treten und Aufschluß geben über die Beweggründe des Zusammenschlusses und die angestrebten Ziele.
„?ro Palästina" ist keine zionistische, überhaupt keine jüdische Vereinigung, sondern in ihm haben sich unter dem Vorsitz des Gesandten a. D. Exzellenz Raschdau Vertreter der führenden politischen Parteien Deutschlands von> Scheidemann über Gothein bis Graf Westcnp, und neben ihnen Männer der Wissenschaft, der Kunst und der Presse wie Professor Meinhoff-Hamburg. Professor Hoetzsch-Berlin, Professor Max Weber-Heidelberg, Georg Cleinow - Berlin, Dr. Gra- bowsky u. a. zu einem Ausschuß zusammengeschlossen, der der Schaffung eines großzügigen Kolonisationswerkes in Palästina die moralische Unterstützung der öffentlichen Meinung und der deutschen Politik sichern will. Die Gesellschaft geht dabei von der durch die Zeitverhältnisse in den Vordergrund gerückten Überzeugung aus, daß die wirtschaftliche und kulturelle Stärkung der Türkei ein wesentliches und dringendes Interesse der deutschen Auslandspolitik ist und daß sich die seit Jahren mit wachsendem Erfolge gepflegten Bestrebungen der zionistischen Organisation diesem Lebensinteresse besonders wirksam einfügen.
Es handelt sich hier keineswegs um Einflußnahme auf innerjüdische Fragen, sondern um das Gebiet der allgemeinen Politik, für die heute der Zionismus dank den Regierungserklärungen der West- wie der Mittemächte zur Frage der jüdischen Palästinasiedlung ein nicht mehr zu übersehender Faktor geworden ist. Dabei erscheint es von symptomatischer Bedeutung, daß in diesem Komitee deutsche Politiker von rechts und links ebenso wie ausgesprochen chriMche und freigeistige Anschauungen durch das Verständnis für den allgemein-politischen Wert der zionistischen Pläne zn einer Interessengemeinschaft zusammengeführt worden sind. Diese Gemeinschaft berührt nicht entfernt die besonderen persönlichen Anschauungen der' Motive, die die einzelnen Komiteemitglieder mit dem Palästinaproblem verbinden. Da paart sich der Standpunkt reiner Menschlichkeit mit dem biblisch-eschatologischer Hoffnungen: oder neben der Ablehnung der Nationseigenschaft für die westlichen Juden kommt ein warmes Verständnis für das Bedürfnis des jüdischen Nationalismus zum Ausdruck; hier wieder geht es um die rein sachliche Förderung des sozialen Werkes der Siedlung um seiner selbst willen, und dort handelt es sich mehr um die polnischen Ausstrahlungen des Problems „der Zionismus im Weltkrieg" auf die türkische oder die deutsche Neichsregierung. Geineinsam wirkt in allen nur die Überzeugung, die in den Zielen des ?ro ?aIaöstina-Komitees zur Geltung kommt:
„Das im Zionismus verkörperte Streben nach unbehinderter und organischer Entfaltung nationaler jüdischer Kultur und Wirtschaft in der alten Heimat des jüdischen Volkes ist geeignet, aus dem durch Mangel an Bevölkerung und durch wirtschaftliche Vernachlässigung verarmten Palästina ein blühendes Wirtschaftsgebiet zu machen. Das Aufblühen Palästinas dient in gleichem Maße dem Interesse der mit Deutschland verbündeten Türkei wie der Ausbreitung deutscher Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen im vorderen Orient. Es muß daher von Deutschland gefördert werden."
Um zwei Gedankenreihen handelt es sich also in der?ro Palaesiina-Bewegung: 1. Was bedeutet das Streben des Zionismus nach der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina unter der Landeshoheit für den türtischen Staat? 2. Was bedeutet es für die deutsche Außenpolitik?