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Lin Blick auf Finnland
Die Kundgebung der tschechischen Pairs im Herrenhause (4. Mai 1918) und die Stimme des Bischofs von Königgrätz, Dr. Doubrava, in der „Reichspost" zeigen trotz mancher Unausgeglichenheit dieser Kundgebungen diesen Gegensatz sehr deutlich. Es zeigt sich, daß die heute im Hintergrund stehenden austro'slawischen Elemente, zu denen auch einige wenige Ausläufer der höchsten tschechischen Jntelligenzschicht gehören, die zweite Garnitur bilden, die zur Übernahme der politischen Führung bereitsteht, wenn die staatsrechtlich-demokratische Garnitur abgekämpft sein wird. Ob schließlich der sich immer mehr überspitzende Radikalismus auf die Dauer auf die Gefolgschaft der politisch sehr kühl rechnenden Polen wird bauen können, ist zweifelhaft. Polen und Tschechen, deren inneres Verhältnis trotz aller Ver- brüderungsversuche des Panslawismus.immer kühl war, scheidet, wie jüngst eine hitzige Polemik gezeigt hat, trotz der Übereinstimmungen der beiderseitigen radikalen Gruppen, stark die Frage Ostschlesiens, auf das beide Anspruch erheben, und das seinerzeitige Verhältnis der Tschechen zum zaristischen Rußland.
Wie alle Maßlosigkeit wird auch der Radikalismus der tschechisch-staatsrechtlichen Demokratie an sich selbst zerschellen. Er hat, indem er die tschechische Frage als Kampfmittel gegen die Monarchie verwendet, die Erfüllung des Kriegszieles der Entente zur notwendigen Voraussetzung der Verwirklichung seiner Pläne gemacht. Andererseits ist an der tschechischen Politik, die mit naturgegebenen, kleinräumigen Verhältnissen zu rechnen gewohnt ist, eine sehr wichtige Kriegslehre vorbeigegangen: daß in der kommenden Epoche der Menschheitsgeschichte auch Großstaaten im alten Sinne keine selbständige Wirkung mehr üben werden, geschweige denn Staaten von Sechs- oder selbst Zehnmillionenvölkern, sondern einzig größere und größte Gruppen. Es scheint sich in unseren Tagen die Tragik der tschechischen Geschichte zu wiederholen, daß ein begabtes und in seiner materiellen wie geistigen Arbeit rüstig aufstrebendes, aber seine Bedeutung wie seine Ziele maßlos überhebendes Volk an dem Gegensatz zwischen Tatsächlichkeit und Wollen zu scheitern droht.
Gin Blick auf Finnland
von Hauptmann «Lrnst Liljedahl, Mitglied des schwedischen Reichstages
ie bei der Beendigung des Weltkrieges bevorstehenden großen Veränderungen werden die zerrissene Menschheit wohl zu der Selbstbesinnung bringen, die in einem gefügigeren Sichanschließen an den Willen der Weltgeschichte und dem Verlassen der Wege, die zu der Uneinigkeit und dem Kriege geführt haben, liegt. Auf dem Grunde des geschichtlichen Geschehens liegen größere Geheimnisse verborgen, als die Männer des Tages gewöhnlich ahnen. Dort finden wir die Ideen der Jahrhunderte und nicht die Einfälle des Tages. Dort ruht das Generationen hindurch weiterlebende Unsterblichkeitsbewußtsein der Völker, das sich weder durch Unglück noch durch Unterdrückung, weder durch sibirische Verbannungsorte noch durch politischen Untergang ersticken läßt.
Selten hat ein Mensch das erlangt, was er selbst am heißesten ersehnt hat. Selten ist auch ein Volk zu Aufgaben berufen worden, die ihm selber verlockend und vielversprechend erschienen. Anstatt dessen wurden ihm andere gestellt, die es niemals freiwillig übernommen haben würde und mit denen es sich erst befaßt hat, als die harte Notwendigkeit es dazu zwang. Unter Gustav Adolf kam es auf diese Weise zu Schwedens und Finnlands größter Leistung, gleichwie Deutschlands Sieg in dem jetzt vorsichgehenden Kriege eine europäische Soli-