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Mitteleuropa und die Polen
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Wirtschaftsnachrichtendieiist

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reich wollen wir uns bei dieser Gelegenheit ins Gedächtnis rufen.*) In dem welthistorischen Augenblick, der durch den Besuch des Grafen Burian gekennzeichnet wird, kann nur der größte Freimut und die aufrichtigste Offenheit bei der Be­handlung aller Fragen eine glückliche Zukunft der in Frage kommenden Völker anbahnen. Eine nüchterne Bewertung aller historischen, nationalen, sozialen und rein wirtschaftlichen Tatsachen aber sagt uns, daß die Polenfrage in die mittel­europäischen Verhandlungen nicht hineingehört. Russisch-Polen muß so außer aller Berechnung bleiben, als wenn es heute noch im Besitz Rußlands wäre. Ist erst der mitteleuropäische Waffen- und Wirtschaftsbund unter Dach, dann wird sich auch die für ihn als Ganzes zweckmäßigste Lösung der Polenfrage finden lassen. Der Polonismus muß für Mitteleuropa erst erzogen werden.

Wirtschaftsnachrichtendienst

von Fritz Röll

enn dem deutschen Volk die Fähigkeit, mit großem Geschick wirkungs­volle Organisationen zu gründen als ein besonderer Vorteil nach­gerühmt wird, so bleibt es eine kaum zu verstehende Erscheinung, daß vor dem Kriege in der außerordentlich tatkräftigen und erfolg­reichen deutschen Wirtschaft ein zweckdienlicher, umfassender Wirt­schaftsnachrichtendienst nicht zu organisieren war. Der Hauptgrund, der das Versagen verschiedener auf dieses Ziel gerichteten Bemühungen zu erklären vermag, wird vor allem in den großen Erfolgen, welche der deutsche Handel und die deutsche Industrie am Weltmarkt durch private, auf sich selbst gestellte Tüchtigkeit und Rührigkeit errungen haben, zu suchen sein. Wie eine Fabrik, nach deren Er­zeugnissen große Nachfrage herrscht und die auf lange Zeit hinaus mit Aufträgen überhäuft ist, nicht geneigt sein wird, Zeit und Kosten für ein wirkungsvolles Netlamewesen zu verausgaben, sondern ihre Kräfte vor allem näherliegenden Aufgaben widmet, so wird sich auch einem Lande, dessen Außenhandel sich glückhaft entfaltet und dessen Ausfuhr sich durch gediegene, sehr begehrte Güter auszeichnet, die Notwendigkeit eines umfassenden, schnell und wirkungsvoll arbeitenden Nach­richtendienstes nur erst allmählich und spät aufdrängen: die Güte des Ausfuhr- Produktes empfiehlt sich allein. Der Konkurrenzkampf wurde lediglich vom sachlich sich abspielenden Wettbewerb beherrscht und den braucht die deutsche Gütererzeugung nicht zu fürchten. Auf der ganzen Linie war ein dauernder Fortschritt zu ver­zeichnen und die beteiligten Kreise waren im allgemeinen zufrieden mit dem herrschenden guten Geschäftsgang. So läßt es sich einigermaßen verstehen, daß der wirtschaftliche Nachrichtendienst in Deutschland nicht jene Beachtung fand, denen er sich in anderen Ländern, vor allem in England, schon lange Zeit vor dem Kriege erfreute.

Nach Friedensschluß wird die deutsche Industrie und der deutsche Handel am Weltmarkt eine durchaus zu ihrem Ungunsten veränderte Lage vorfinden.

*)Ausgewählte Schriften." Verlag Wilhelm Braumüller, Wien und Leipzig 1394. Band 6, Aphorismen. S. S4V.