Politik und Armee
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Von Zeit zu Zeit sendet Wcmnemune einen Boten zur Erde, einen gott- oegnadeten Sänger, damit der Mensch die Festsprache nicht vergißt und immer mehr lernt, sich erhaben in ihr auszudrücken. Er selbst wird auch einmal wieder Yerniedersteigen, wenn der große Tag des Glückes kommt, auf den die Geschöpfs warten.
Politik und Armee
uf die „Nationalisierung" des deutschen Volkes — kerrv lZnicme ganz so wie früher bei den anderen — folgt die Forderung seiner „Politisierung." Hier hat der Neuling in der europäischen Staaten- fmnilie besonders viel nachzuholen, und an Gelegenheit, sich die erforderliche „Bildung" zu verschaffen, mangelt es ihm daheim nicht. ^ Die Frage ist nur, wie lange der Lehrgang dauern wird — die Zeit Drangt den Schüler ins Leben — und ob der Unterricht immer in angemessener "Nnse erfolgt. Daß der Lehrer ein nach Auswahl und Darstellung persönlich gefärbtes Bild seines „Faches" vermittelt, in diesem Falle also die Ansichten emer bestimmten politischen Partei über den Gegenstand wiedergibt, bringt solange rewe Gefahr, als daneben die Möglichkeit einer selbständigen Ergänzung und uvrundung des Stoffes dem Schüler gelassen wird. Die Subjektivität des Lehrers oarf aber nicht den Dingen Gewalt antun, indem er den gegnerischen Standpunkt mit Keulen totschlägt und durch falsche Verallgemeinerungen objektiv unwahr -mro Das bewirkt nicht nur eine bedauerliche Irreführung des Lernenden, für ^eser sich später rächt, sondern auch gereizte Abwehr in der Öffentlichkeit, woald derartige Pädagogische Methode» bekannt werden.
Neben der privaten Aufklärung durch Wort und Schrift — neuestens ist Ab." ia hier zur Gründung besonderer Staatsbürgerschuleu fortgeschritten, — vleuu es natürlich auch unseren behördlichen Instanzen unbenommen, der öffent- ucyen Meinung politische Anschauung zu vermitteln. Nur, daß bei ihnen Inoch größere Vorsicht am Platze ist, wenn die Negierung ihren alten Vorzug, „über ven Parteien" zu steheu, bewahren will. 'Dient nun gar der „Unterricht" oeftunmten politischen, an sich wahlberechtigten Zwecken, so sind die besten Köpfe gerade gut genug, das zarte Gewebe beginnender Erkenntnisprozesse herzustellen, sich in der Folge durch selbständige Geistesarbeit der also „Belehrten" verachten und verstärken soll. „Propaganda" ist stets ein zweischneidiges Schwert, schwin^" die Waffe nun daheim oder im neutralen oder feindlichen Auslande
. Vorstehende Erwägungen veranlaßt jene 1917 erschienene, „Weltdemokmtie" "mannte Broschüre, die das Oberkommando der Heeresgruppe Eichhorn seinen ^sMeren „zum Dienstgebrauch" in die Hand gibt, als ein Hilfsmittel für den Junten „vaterländischen Unterricht".") Man mag über Wert und Unwert dieses ^uaudischen Unterrichts denken, wie man will, insonderheit die bei ihm benutzten .Lehrbücher" nicht am Maßstabe der Wissenschaft messen, ein gewisses Minimum .Sucher Korrektheit muß auch von letzteren gefordert werden. Die Schwierigkeit ponttscher Gegenwartsprobleme verträgt sich nun schlecht mit der sonst so bewährten ^"wnschen Kürze und Schneidigkeit. Die Forin des Katechismus, die der cmo-
*) Der sozialdemokratische Abgeordnete Noske hat von ihr zuerst am 2S. April im '° '"pt"usschusse des Reichstages nähere Mitteilungen gemacht. Grenzboten II 1918 14