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Lstnische Sagen
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schichte selbständig auf dasselbe Mittel verfiel wie der trocken moralisierende Erzähler. Die poetische Umgestaltung des überkommenen Motivs ist hier höher zu bewerten, als die eigene Erfindung; denn in ihr liegt mehr Intuition und schöpferische Arbeit.
Eine ähnliche Kontroverse entspann sich vor langen Jahren um ein Gedicht von Heinrich Heine. Seinein an Karl von Uechtritz gerichteten, im Jahre 1822 zum ersten Male gedruckten Vierzeiler:
Anfangs wollt' ich fast verzagen,
Und ich glaubt', ich trüg' es'nie,
Und ich hab' es doch getragen, —
Wer fragt mich nur nicht Wie? stellte sich ein Volkslied aus Kärnthen gegenüber, das folgenden Wortlaut hatte:
I hab' alleweil g'mant,
I dertraget'S gar nia,
Hiaz hab' i's ertrag'n,
Ab'r fragt's mi nit wia! Die Sammlung, die das Lied bekannt gab, wurde zu Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts von Pogatschnigg und Herrmann herausgegeben.
Nach meiner Auffassung hatte Heine das Lied irgendwo gehört und dann in sein geliebtes Deutsch übertragen. Daß er dies mit Volksliedern aus der Bretagne und der Normcindie tat, ohne von Übersetzungen oder Bearbeitungen zu sprechen, ist längst erwiesen. Meine Ansicht, daß es sich auch im vorliegenden Falle so verhalte, ließ Karl Emil Franzos in der „Gegenwart" nicht gelten; er beschuldigte mich der Achtungslosigkeit wider den Dichter. Rudolf Kulemann dagegen warf in der von Rudolf Gottschall herausgegebenen Zeitschrift „Blätter für literärische Unterhaltung" die Frage auf: „entlehnte Heine oder umgekehrt?" und beantwortete sie: „wahrscheinlich doch Heine".
Überall da, wo sich nicht die Wege verfolgen lassen, auf denen die Erzählung, der Spruch oder das Lied eines Dichters Verbreitung findet, Volksgut wird und eine von Zeit, Ort und Person losgelöste Bedeutung gewinnt, überall da wird man im Zweifelsfalle den Ursprung im Volke suchen müssen. So ist es mit der georgischen Sage, die Schiller erhöht und poetisch verklärt hat; so ist es mit dem Kärnthnerischen Volkslied, das Heine einer Annexion für wert hielt, ohne mehr aus ihm zu machen als darin lag.
(Lstnische Hagen
von Maria Schade
Wie der Embach entstand
Nachtr»< voriiten,
ltvater hatte die Erde erschaffen und den Himmel. An den Himmel setzte er die goldene Sonne und viel tausend silberne Sterne. Auf der Erde grünten die Bäume und wuchsen die Pflanzen. Überall war Leben, Freude. Die Tiere sprangen glücklich, sorglos umher, denn Altvater hatte ihnen alles beschert, was sie brauchten. ^ Doch nicht lange währte der Friede. Bald fingen die Tiere an, stch mit feindlichen Blicken zu betrachten. Die Liebe, die ihnen Altvater zum Gebote gemacht hatte, war vergessen. Sie verfolgten sich. Angstschreie stiegen zum blauen Himmel, Wehklagen tönten über die bunte Erde.
Das hörte Altvater. Er rief die Tiere herbei. Und als sich alle um ihn versammelt hatten, sprach er also:
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