(Lzernin
von Georg Lleinow
Ich bin auf meinem Weg ihr Sklave lieber, Als auf dem ihrigen mit ihnen Herrscher.
Coriolmms II, 1
em Nachdenklichen mag eine der bedrückendsten Erfahrungen des Weltkrieges die Erkenntnis sein, wie ungeheuer schrankenlos die Abhängigkeit der Staaten und Völker von Zufälligkeiten ist. Daß der einzelne Soldat, daß die Truppen draußen im Felde oft nicht wissen, welche Lebensbedingungen ihnen die nächste Stunde auferlegen wird, darein hat sich jedermann schnell gefunden: es ist eben Krieg! Daß aber böse oder freundliche Zufälle weit ab vom eigentlichen Kriegsschauplatz, wie sie sich in den Eingriffen einzelner Persönlichkeiten äußern, die Zukunft der Nationen über alle Leistungen und Opfer hinweg innerhalb von Stunden von Grund aus sollen verändern können, diese Notwendigkeit als Begleiterscheinung des Krieges will uns nicht mehr einleuchten. Und doch ist es so. Wir müssen uns nur klar darüber sein, daß das, was wir als Zufall empfinden, in den meisten Fällen doch nur eine Überraschung für uns ist, weil wir nicht imstande sind, alle Verhältnisse, die uns umgeben, dauernd zu übersehen und zu kontrollieren und daher geneigt werden, Überraschungen als Zufälligkeiten anzusprechen, das ist als Erscheinungen, die vollständig außerhalb des Nahmens menschlicher Erwägungen stehen, obwohl sie doch ganz folgerichtig aus einer Reihe von Tatsachen hervorgegangen sind. Immerhin bleiben eine ganze Reihe von Dingen übrig, die wirklich nur auf Zufälligkeiten Zurückzuführen sind und eines der schwierigsten Probleme, das den Heerführern gestellt ist, besteht vielleicht in der Notwendigkeit, alle jene Kreise nach Möglichkeit zu verengen, auf denen Zufälligkeiten aufwachsen; darin berühren sich merkwürdigerweise auch die Bestrebungen der obersten Heeresleitung mit den Forderungen der Pazifisten, der aristokratischen Führer mit deney der demokratischen Massen, nur sind die Mittel, die beide anwenden um dasselbe Ziel zu erreichen, verschieden. Eine der Hauptquellen der politischen Zufälligkeiten wird von demokratischer Seite in der Geheimdiplomatie bekämpft, während sich die Liberalen gegen Beichtväter und Jagdfreunde der Staatsoberhäupter wenden. Der Wunsch, Grenzboten II 1918 7