Maßgebliches und Unmaßgebliches
besonders dankbar und werden uns mit ihnen noch öfter beschäftigen.
Heute seien sie jedem Gebildeten, der in irgendeinem Verhältnis zur Politik steht, sei es auch nur als Zuschauer, warm empfohlen. Exzellenz Hammcmn schreibt einen klaren, fesselnden Stil. Der Verleger hat für einen großen schönen Druck gesorgt. So Wirkt alles zusammen, um die Lektüre deS nicht sehr umfangreichen Buches zu .einem gewissen Genuß zu machen. G. Ll.
Parteilose Wählerstimme». Kürzlich hat der Ausschuß des Reichstages die Wahlpflicht beschlossen. Dadurch wird jedermann in deutschen Landen gezwungen, bei den Wahlen für eine der bestehenden organisierten Parteien einzutreten, ohne Rücksicht darauf, ob die gerade am Ort organisierten Parteien auch den Anschauungen des Bürgers entsprechen. Gerade deshalb haben von jeher Hunderttausende nicht der schlechtesten Männer dem Parteigetriebe fern gestanden, und was jetzt von den Parteien im Reichstage geleistet wird, reizt wirklich nicht zum Anschluß an die alten Organisationen an. Das Gesetz, das somit die Wahlpflicht einführte, müßte auch dafür Sorge tragen, daß dadurch kein Gewissenszwang auf zahlreiche Bürger ausgeübt würde. Da empfiehlt sich statt des Wahlzwangs mit seinen unvermeidlichen Härten, Bestrafungen und leeren Stimmzetteln folgender einfacher Weg:
Wer nicht wählt, ist entweder mit den bestehenden Zuständen im allgemeinen zufrieden oder er weiß nicht, wen er mit der Vertretung seiner politischen Interessen betrauen soll, weil die Parteien oder deren Vertrauensmänner nicht nach seinem Geschmack sind. In den überwiegend meisten Fällen ist seine Stimmenthaltung als ein stillschweigend zum Ausdruck gebrachtes Vertrauen gegen die Regierung zu bewerten. Infolgedessen sollte es auch die Regierung sein, die über die Stimmen der „NichtWähler" verfügt. Sie beziehungsweise der Bundesrat sollte für je 100000 oder 160000 der nicht abgegebenen Stimmen einen Abgeordneten bestimmen können. Es ist selbstverständlich, daß diese Negierungsabgeordneten Männer sein müßten, deren hoher Wert sür die Gesamtheit durch ihr Wirken erwiesen ist, die aber weder Zeit noch Geld haben, sich durch den Staub der Wnhlschlachten schleifen zu lassen oder sich berufsmäßig in der Partei emporzuarbeiten, um sich dann mit ihren Idealen in ein enges Parteiprogramm einzwängen zn lassen.
Wer als Richtwähler mit diesem Verfahren nicht einverstanden ist, mag sich die triftigen Gründe, derentwegen er der Wahl fernblieb, bescheinigen lassen, sei es durch den Arzt oder eine behördliche Stelle.
Prof. Dr. Sch.
Randglossen zum Tage
A».l de», Herausgeber
ehr geehrter Herr, ob man den pathetisch stelzenden Leitartikel verfaßt, oder dem Tagesereignis die bescheidene Glosse nachsendet, was in dieser beispiellosen Osterzeit geschieht, muß selbst einen Stresemann nach Worten und einen Rudolf Presber nach Reimen ringen lassen. Wir klugen Leute daheim gehen, auch wenn uns sonst nicht so leicht bei unserer Gottähnlichkeit bange wird, noch immer ein wenig be- nönmi'en uuiher. Nur Theodor Wolff, der so sehr an sich glaubt und glaubt, daß seine Leser so sehr an ihn glauben, hat uns noch einen Artikel lang vom Fürsten Lichnowsty erzählt uud gezeigt, daß er alles vorher gewußt hat und auch an der Tatsache, daß seine interessante Schreibtischschublade das berühmte menschliche Dokument schon so früh beherbergt hat, nachgewiesen, welche Wichtigkeit wir ihm beizumessen haben. Sonst hat in diesen Tagen niemand mehr von etwas anderem geschrieben, als von dem Ungeheueren, das nach dreieinhalb Jahren, Beispielloses in den Schatten stellend, wieder deutschem Geist und deutschem Willen einwachsen ist. Wo ist der wichtigtuende Streit von vor vier Wochen? Junker und Fabrikarbeiter denken und empfinden heute so dasselbe, daß sie ihre Zeitungslektüre aus-
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