Maßgebliches und Unmaßgeblich«s
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Literaturgeschichte ist eben nicht bloße Geschichte der Literatur, sondern ist Jdeen- und Geistesgeschichte im umfassendsten Sinne des Wortes,
Weiterhin aber ist auch für die Bildung der höheren Lehrer größere Einheit zu erstreben. Denn auch bei ihnen sind, zum Teil infolge der heftigen Schulkämpfe der letzten Jahrzehnte, tiefe Gegensatze entstanden. Einseitiges Fachwissen und Fachegoismus haben dazn beigetragen, das Gefühl, einer gemeinsamen Bildungsaufgabe zu dienen, immer mehr zu verflüchtigen. Und nur eine über alle Einzelwissenschaften sich breitende pädagogische und philosophische Überzeugung kann die Scheidung der Geister einigermaßen überwinden.
Was letzten Endes bei der ganzen Frage der einheitlichen Nationalbildung auf dem Spiele sieht ist unser Nationalcharakter. Wie der Charakter des Einzelmenschen eine gewisse Einheit der Persönlichkeit erheischt, so ist auch Nationalcharakter nicht möglich, ohne daß in grundlegenden Bestrebungen und Ideen des Volkes wenigstens eine gemeinsame Richtung herrscht. Vielleicht ist unsere Nation als politisches Wesen noch zu jung, um schon zn einer bestimmten Volkspersönlichkeit gelangt zu sein. Jetzt aber dürfte die Zeit der Reife nahen und damit der Augenblick gekommen sein, dem Ziele einer einheitlichen Nationalbildung und einer wahrhaft deutschen Volkspersönlichkeit mit aller Kraft zuzustreben.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Wer von dem langjährigen Beamten, in dessen Bureau sich häufig genug die geheimsten Fäden der inneren Politik kreuzten, Enthüllungen erwartet hat, wird durch die Erinnerungen enttäuscht. Ihr Wert liegt nicht in den neuen Einzelheiten. Die sie der größeren Öffentlichkeit bringen, sondern in der Zusammenstellung meist bekannter Tatsachen durch den Kundigen. Das trifft ebenso für die Vorgeschichte der Krügerdepesche zu, die sich bereits ausführlich bei Reventlow findet, wie für die Preisgabe des Rückversicherungsverirages mit Rußland. Letztere bedarf in ihrer Darstellung entschieden einer Ergänzung. Von größtem Interesse sind die Darstellungen der Verhältnisse hinter den Kulissen der Politik, die sich an Persönlichkeiten wie Holstein und Tausch knüpfen. Obwohl diese Dinge zwanzig, und mehr Jahre zurückliegen und der Weltkrieg zwischen jene Zeit und die Gegenwart getreten ist, enthalten sie manchen Fingerzeig für die Schwächen unseres heutigen Politischen Apparates und für Gefahren, denen wir dank der Organi- satiouswut, die sich gegenwärtig auf dem Gebiet der Presse bemerkbar macht, in naher Zukunft entgegengehen. Aus diesem Grunde sind wir für Hammanns Erinnerungen ganz
„Der neue Kurs", Erinnerungen von Otto Hainmann z Verlag von Reimar Hobbing in Berlin 1918. Preis M. 8 u. 4.
Otto Hammann, Wirklicher Geheimer Legationsrat, Exzellenz, war mehr als fünfundzwanzig Jahre Leiter und zuletzt Direktor der Presseabteilung des Auswärtigen AmteS, also ein Mann, der unter vier Kanzlern diente! Er ist eine der wenigen Persönlichkeiten, die das Heranreifen des Weltkrieges in Jahrzehnten von hoher Warte und ausgerüstet mit den gerade modernsten Bsobachiungs- mitteln verfolgen konnte. Die Gründe liegen auf der Hand, wenn Hammann dennoch darauf verzichtete, eine Vorgeschichte deS Weltkrieges zu schreiben. Was er gibt, sind Materialien zu einer solchen Vorgeschichte, die zugleich die Geschichte der Regierungszeit Kaiser Wilhelms des Zweiten ist. Es ist vorwiegend von der Zeit des zweiten Reichskanzlers, General v. Caprivi, die Rede; jene erschütternden Kämpfe werden beleuchtet, unter denen sich die Regierung Wilhelms des Zweiten aus dem Dunkel des Schattens des Titanen Bismarck herauszuarbeiten strebte. Meines Wissens ist es auch die erste Schrift, die dem Wirken Cnprivis gerecht zu werden versucht, wenn es auch nicht ihr ausgesprochener Zweck ist.
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