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Zur litauischen Frage
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Zur litauischen Frage

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Zur litauischen Frage

von Professor Max Kranz

ie Litauer sind später als die Polen, die sich schon vor dem Kriege die Gunst der Herren dieser Welt zu sichern und für ihre Zwecke auszu­nutzen wußten, aufgestanden und haben nur allmählich als Gebot der Setbsterhaltungspflicht erkannt, den deutschen Sieger mit der Ver­gangenheit und Gegenwart, der Natur und Kultur ihres Landes be­kannt zu machen und bei ihm den Wunsch anzumelden, von der brutalen Willkür des Tschinowniks uud dem schweren Druck des polnischen Pan dauernd befreit zu bleiben, ihre nationale Eigenart aber ungehindert und selbständig ent­wickeln zu dürfen. Übrigens sind nicht bloß sie, sondern auch zahlreiche Deutsche, Feldgraue, Kriegsberichterstatter, Verwaltungsbeamte usw., bemüht, Litauen, von dem wir nicht viel mehr als nichts wußten, in unseren Gesichtskreis zu rücken. Aus der Fülle dieser Schriften, die oft mehr gut gemeint als gut sind, heißt es den Weizen von der Spreu aussondern und den deutschen Leser auf solche hin­weisen, die die Absicht ihn zu informieren wirklich erfüllen.

Zunächst einige deutsche Autoren! Axel Ripke, der aus Nußland stammt, hat zu dem von ihm 1916 herausgegebenen SammelbandeDer Koloß auf tönernen Füßen" (I. F. Lehmann, München) einen in der Form knappen, aber an Inhalt reichen Aufsatz beigesteuert, in dem er das litauische Problem und das Verhältnis der Litauer zu ihren Mitbewohnern erörtert. Ripke, der aus eigener Anschauung recht Interessantes zu berichten weiß, ist überzeugt, daß die Litauer, derenZiel die Selbständigkeit ihrer Heimat war und bleibt", den Anschluß an Deutschland suchen, weil sie anderenfalls fürchten müssen, ihr Land könne ganz oder zum Teil zum neuen Königreich geschlagen werden und ihr Volk, in die polnische Fasson gepreßt, schließlich im polnischen Meere aufgehen; er rät dringend von der An- erkennung der tatsächlich unbegründeten polnischen Ansprüche auf das Groß- fürstentum ab.

Ausführlicher aber doch in gedrängter Kürze hat Erich Zechlin 1915Litauen und seine Probleme" in derInternationalen Monatsschrift" (B. G. Teubner, Leipzig) und 1917Litauen" in SeringsWestrußland und Mitteleuropa" (gleich­falls bei Teubner) behandelt; er hatte in der Zwischenzeit Gelegenheit gehabt, Litauen und seine drei einander befehdenden Stämme im Brennpunkt der polnischen Agitation, in dem zu UnrechtPerle des polnischen Landes" genannten Wilna. zu studieren; wissenschaftlich geschult und durch gediegene Beiträge zur polnischen Frage bereits bewährt, den Quellen gegenüber kritisch und im Urteil fast ängstlich zurückhaltend, schreibt er nur das nieder, was als verbürgte Tatsache angesprochen werden kann. Wer von ihm (und Ripke) ausgeht, wird leicht herausmerken, wo andere, deutsche, litauische und polnische Schriftsteller von Partei- oder nationalem Geist beeinflußt und deshalb mit Vorsicht zu genießen sind.

Eine brauchbare und lesenswerte Zusammenstellung zumeist auf heimische Kenner zurückgehenden dokumentarischen und auch statistischen Materials bietet Otto KeßlerDie Baltenländer und Litauen" (Berlin 1916; Puttkammer und Mühlbrecht), desgleichen so manches Wissenswerte zur Geschichte, Kultur und Volks­wirtschaft dieser Länder, sowie in bezug auf die deutsche Verwaltung und deren Verordnungen.

Ein durch die äußere Aufmachung ansprechendes, mit Bildschmuck versehenes Buch ist des Dr. Paul MichaelisKurland und Litauen in deutscher Hand" (Berlin-Steglitz; Fritz Würtz). Der Verfasser findet mit glücklichem Blick das Wesentliche und Charakteristische heraus und stellt es in kurzen Berichten aus dem Felde (für dasBerliner Tageblatt") klar, schlicht und leicht faßlich dar; er urteilt einsichtsvoll und maßvoll und erkannte bereits im Frühling 1916. daß ?as russische Reich im Zerfall begriffen war und dieFremdvölker", den Großrussen w jedem Betracht fremd, sich von ihm loszulösen begannen. Er lobt die deutschen