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Englands weltpolitische Lage
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Deutsche Flurbereinigung

Es fragt sich nur, ob diesem weltpolitischen Gewinn Englands nicht anderer­seits auch eine Verlustrechnung gegenübersteht, indem es sich aus dem Stillen Ozean und aus Ost-Asien zurückziehen und hier dieHerrschaft den Japanern überlassen mutzte.

Doch in dieser Hinsicht bietet der amerikanisch-japanische Gegensatz vorläufig einen Trost. Die Bedrohung der Straits-Settlements und Indiens durch Japan ist nicht annähernd so groß wie einst die Bedrohung Indiens durch Rußland. Ist erst der Weltkrieg in Europa beendet, so kann der neue Weltkrieg zwischen Angelsachsen und Japanern um die Herrschaft über den Stillen Ozean beginnen.

Alle deutschen Siege haben uns dem Endziele des Krieges, der Besiegung Englands, bisher um keinen Schritt näher gebracht. IJm Gegenteile bedeuten die deutschen Erfolge im wesentlichen auch Erfolge der englischen Weltpolitik. Eng­lands Macht ist nicht in der seiner Bundesgenossen zu treffen.

Zum Glück ist auch England nicht unverwundbar. Einen zwanzigjährigen Krieg gegen die französische Revolution und Napoleon konnte England aushalten, weil er nur Englands Bundesgenossen traf. So konnten auch Englands Staats­männer von einem neuen zwanzigjährigen Kriege sprechen. Aber wie für den ein­zelnen Menschen sein Geldbeutel der empfindlichste Körperteil ist, so wird England getroffen in seiner Handelsmacht. Während die englische Kriegsflotte sorgfältig ver­borgen gehalten wird, so daß niemand weiß, wofür sie da ist, versinkt die erste Handelsflotte der Welt samt der seiner Bundesgenossen und der Neutralen, soweit sie sich in Englands Dienst gestellt haben, in den Tiefen des Meeres. Damit er­füllt sich auch Englands Schicksal. Und deshalb muß der Weltkrieg für England »inen anderen Ausgang haben als einst der gegen Napoleon.

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Geschichtliche «Lrinnerungsn politische Mahnungen von Dr. Paul wentzcke

1. Die thüringische Einigungsfrage

t ast unbeachtet von der öffentlichen Meinung im Reiche scheint sich im ! Herzen Mitteldeutschlands eine durchgreifende Änderung der bundes­staatlichen Besitzverhältnisse anzubahnen. Schon Anfang März 191? erhoben die Sozialdemokraten Koburg-Gothas bei den Verhand­lungen über die Thronfolge ihres Herzogtums offen die Forderung einer thüringischen Gesamtrepublik. Wenig später, Anfang September, sprach sich der nationalliberale Parteitag in Erfurt nachdrücklich füreine organische Zusammenschließung der thüringischen Staaten in Gesetzgebung und Verwaltung und für eine thüringische Volksvertretung" aus. Zum wenigsten müsse, so war die allgemeine Meinung. Verwaltung und Gesetzgebung der in der Gemengelage liegenden Länder, die geographisch, historisch und wirtschaftlich ein Ganzes bilden,

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