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König Ronstantins Sturz
Balkanpolitik, was eine Lösung der südslavischen Frage zur Voraussetzung hätte, sondern die Gewinnung von Rechtstiteln von Freund und Feind auf allen Grenzen, mit denen sich unter friedlicheren Verhältnissen Handel treiben ließe.
Aönig Konstantins Aturz
von Universitätsprofessor Dr. Engelbert Drerup
m Weltkriege vergißt man schnell, da stets neue gewaltige Ereignisse und politische Sensationen schon die jüngste Vergangenheit verdecken und so auch das, was eben noch als ein allersch mählichstes Unrecht erschien, als etwas Unabänderliches, fast schon Gleichgültiges hinnehmen lassen. Um so wichtiger ist es, von Zeit zu Zeit den Blick rückwärts zurichtenund einzelne Geschehnisse, diein dem gewaltigen Völ- kernngcn als Höhepunkt und Abschluß einer Entwicklung aufragen, schärfer ins Auge zu fassen, als das im Strudel der sich überstürzenden alltäglichen Dinge möglich ist. So steht in dem Kampfe, den der Vielverband heute gegen die noch neutralen Staaten führt, um sie an seiner Seite in den Krieg hineinzuzwingen, als warnendes Beispiel aufgerichtet das tragische Schicksal des kleinen Griechenlands, das seine durch fast drei Jahre ängstlich behütete Neutralität schließlich mit vollem Zu- sammLttbruche und Auslieferung auf Gnade und Ungnade au die Willkür der Entente bezahlen mußte. Seinen vorläufigen Abschluß hat dieses Volksdrama, dessen frühere Phasen ich in meinen „Griechen von heute" (M.°Gladbach 1917) kurz geschildert habe, in der Entthronung König Konstantins gefunden, die im Juni des vorigen Jahres nicht nur bei den Mittemächten, sondern auch bei den Neutralen einen Schrei des Entsetzens ansgelöst hat.
WaS damals die Zeitungen zu berichten wußten, stammte durchweg aus den gefärbten Mitteilungen feindlicher Telegraphenagmturen, die den flagranten Bruch des Völkerrechtes natürlich auf alle Weise zu beschönigen suchten: unsere unmittelbare Verbindung mit Griechenland war ja bereits seit einem, Jahre, seit der Ausbreitung der Sarrail-Armee auf Florina und Kastoria, abgerissen. Nachdem aber König Konstantin mit seinem Gefolge den gastlichen Boden der — noch freien — Schweiz betreten hat, war auch die Möglichkeit authentischer Aufklärung gegeben, die nun in der Tat nicht lange auf sich hat warten lassen. Diese Aufklärung bietet eine kleine Schrift „l^e 66part än rc>i Lonstantin. Vörit^s inöckitss. OoLumsrits" (Publication cle I'„Union nellöniczuö cls Zuisse". (lLnc^ve 1^17. 48 S.), die ich der Güte von Dr. Streit, Minister des königlichen Hauses von Griechenland, verdanke. In dem vom 18. Juli 1917 datierten Vorworte der Broschüre, die die inhaltsschweren Tage vom 10. bis 14. Juni 1917 schildern will, versichert der ungenannte Verfasser, daß er seine Informationen den authentischsten Quellen entnehme („aux sourLes les plus autorisöes, qrmnt K ce cmi conoerne notAinment Is Löte ckiplonmticme") und im übrigen nnr das erzähle, was er mit eigenen Augen gesehen oder durch detaillierte Berichte griechischer Zeitungen erfahren habe. Kurze Noten, die von der herausgebenden Gesellschaft beigefügt worden sind, verweisen auf wichtige Vorkommnisse der späteren Entwicklung, wodurch die Hinterhältigkeit nnd Wortbrüchigkeit der „Schutzmächte" in ein Helles Licht tritt. ^