26
Randglossen zu Brest-Litowsk
lung fremdländischer Lyrik neben Victor Hugos Herbstblättern verzeichnet der Katalog der „Bibliothek für alle" Ibsens Gedichte. Mir will scheinen, auch darin trete wieder deutlich zutage, daß die breite Vorherrschaft der Franzosen im rumänischen Geistesleben sich keineswegs mit zwingender Notwendigkeit aus der Veranlagung des Volkes ergibt, sondern daß sich schon heute neben den Göttern von der Seine auch durchaus andersgeartete behaupten können, vielleicht sogar mit der Aussicht, ihr Gebiet mit der Zeit nicht unwesentlich zu erweitern.
Darüber, ob diese Möglichkeit zur Wirklichkeit werden wird, läßt sich in unseren Tagen wohl noch weniger etwas voraussagen als sonst. Erwünscht wäre eine breitere Einwirkung germanischen und vor allem deutschen Geisteslebens schon deshalb, weil, wie gerade Rumäniens Verhältnis zu Frankreich lehrt, starke kulturelle Einflüsse leicht entsprechende politische nach sich ziehen. Aber ob die führenden Schichten Rumäniens sich nach dem Kriege grollend von Deutschland abwenden oder ob sie, der Stimme wahrlich nicht der Schlechtesten aus dem eigenen Volke folgend, ihre Ansicht einer gründlichen Durchsicht unterziehen und die zum guten Teil sehr fruchtbaren früheren Beziehungen zu dem Lande ihrer Besieger wieder anknüpfen werden, steht dahin. Wir können die Entscheidung mit gelassener Zurückhaltung abwarten. Zur Liebe kann man niemand zwingen und in Geschmackssachen entscheiden erst recht keine Machtsprüche. Rumänien selbst aber würde bei einer Entscheidung im neuen Sinne schwerlich übel fahren.
Randglossen zu Vrest-Litowsk
nseren Unterhändlern den Rücken stärken, heißt nicht alles gut heißen, was sie zustande bringen. Wenn die Dinge in Brest-Litowsk in Bahnen gleiten, die uns verhängnisvoll scheinen, so müssen und werden wir es sagen. Die Personen der Unterhändler interessieren unS dabei nur soweit, als wir annehmen können, daß sie auch befähigt sind, die schwierige, ihnen von der Geschichte zugewiesene Aufgabe zu bewältigen. Die richtigen Männer an den richtigen Platz zu stellen, ist Sache des verantwortlichen Leiters der Reichspolitik. Daß die Aufgabe ganz besonders schwierig ist, wird von keiner Seite bestritten. Unsere Diplomaten müssen heute mit Verhältnissen arbeiten, für die sie nicht nur nichts können, sondern gegen die sie zum Teil angekämpft hatten. Sie haben nicht nur das moralische Kapital der militärischen Siege als Bundesgenossen, sondern auch die Fehler der Auslandspolitik mancher Jahre als drückende Last hinter sich. Das wird ihnen gern zugute gehalten.
Nichtsdestoweniger brauchten sie sich nicht in die Sackgasse führen zu lassen, in die sie geraten sind durch die Forderung der Russen, wir sollten die besetzten