Klasscnkampf und Internationalismus
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Alassenkampf und Internationalismus
von 1^ adubort
!ine segensreiche Folge der staatsbürgerlichen Erziehung, die der sozialdemokratische Parteibetrieb unserer Arbeiterschaft hat angedeihen lassen, ist ohne Zweifel die Erweiterung des politischen Blickfeldes über den engen Umkreis der nächsten Interessen hinaus. Eine ! Partei, die ihre Grenzen sogar über die des großen Vaterlandes ausdehnt, muß jedenfalls aufs glücklichste der Gefahr steuern, daß die politische Anteilnahme und das Verständnis des einzelnen sich in einer muffigen Kirchturms Politik einkapseln. Aber so willig anerkannt werden muß, daß Presse und Partei- leben der organisierten Arbeiterschaft hier in verhälmismäßig kurzer Zeit eine er? staunliche Bildungsarbeit in den breiten Massen bewältigt haben: wir dürfen den Blick doch auch nicht vor der Kehrseite dieser Erscheinung verschließen. Was dem einzelnen, zumal aber dem Mann aus den einfachen Ständen unmittelbar vertraut ist, das sind eben doch nur seine persönlichen nächsten Bedürfnisse und Interessen. Je mehr im demokratischen Zeitalter auch das Ferne und Fernste ihm politisch nahegerückt wird, desto mehr muß er, um diesen allgemeinen Fragen gegenüber eine feste Stellung zu gewinnen, die Meinungen und Entscheidungen der Partei mehr oder minder ungeprüft und gläubig hinnehmen. Die Form, in der sie ihm in der Parteierziehung eingeprägt werden, ist das politische Schlagwort. So zeigt auch dieses ein solches Doppelantlitz: einmal ist es der Ausdruck einer erfreulichen Ausweitung des allgemeinen politischen Interesses, andererseits ist es dauernd in Gefahr sich zur bloßen Phrase abzuschleifen oder zum Dogma zu erstarren.
Eines der beherrschenden Schlagworte der sozialdemokratischen Parteimeinung ist das Wort vom Klassenkampf. Besonders glücklich veranschaulicht es uns die erwähnte Doppelrolle politischer Schlagworte überhaupt. Würde und Selbstbewußtsein des deutschen Arbeiters sind bemerklich gestiegen, indem Standesbewußtsein und Standesstolz auch in ihm erwachten. Sein Blick wurde geweitet, seine Selbstachtung erhöht, indem er es lernte, über den engen Bezirk seines mühevollen Daseins hinauszublicken und sich als ein Kämpfer in Reih und Glied der großen Schicht der deutschen, ja der europäischen Arbeiterschaft einzuordnen, die sich in umfassenden Zielen der Standeshebung eins weiß. Gemeinschaftsbewußt sein wird überall da am entschiedensten ausgeprägt, wo eine gemeinsame Front zu geschlossener Abwehr die auseinanderstrebenden Einzelglieder zusammenfügt. Wir alle haben es ja in diesem Krieg erlebt, wie der gemeinsame Kampf gegen einen übermächtigen Bund von Feinden in Deutschen, Österreichern, Ungarn und Bulgaren ganz neue mitteleuropäische Gemeinschaftsgefühle erweckt hat. So war es auch ein glücklicher taktischer Griff, daß die Begründer der deutschen Arbeiter- Partei den Klassenkampf derart in den Vordergrund schoben. Denn sie fanden nicht eine Arbeiterschaft vor, die sich der Gemeinsamkeit ihrer Interessen bereits bewußt gewesen wäre, sondern gerade dies Gemeinschaftsgefühl galt es erst wach, zurufen. Da konnte kein Mittel wirksamer sein, als der Aufruf zu einem Kampf der Besitzlosen gegen die Besitzenden, so sehr ein solches Schema auch die Sach-