Der altdeutsche Einwanderer im Elsaß
von Hadnbert
er furchtbare Kampf, den wir an unserer Westfront mit Frankreich führen, ist ein Kampf um Elsaß-Lothringen. Nachdem schon einmal deutsches Blut um die Rückerringung dieses herrlichen Landes geflossen ist, werden uns für seine Behauptung heute noch ganz andere Blutopfer auferlegt. Elsaß-Lothringen ist für uns ein Schmerzenskind, und zu solchem hat man allemal ein eigenes, merk» würdig zwiespältiges Verhältnis. Nicht nur in außerpolitischer, sondern mehr noch innerpolitischer Hinsicht ist Elsaß-Lothringen für uns problematisch. Die Tage, in denen diese Zeilen geschrieben werden, weisen auf eine bevorstehende verfassungsmäßige Neuordnung, die für das bisherige Reichsland von größter Folgenschwere sein dürfte. Es erscheint nicht tunlich, auf diese Fragen im gegenwärtigen Augenblick einzugehen. Um so geeigneter ist der Moment einer großen historischen Wende, um rückschauend auf Stellung und Leistung der eingewanderten Altdeutschen in Elsaß-Lothringen einen prüfenden Blick zu werfen. Nicht immer waren sie der Durchführung der kulturellen Aufgabe gewachsen, die sie mit dem Einzug ins neueroberte Land auf sich nahmen. Eine Aufhellung der Widersprüche und inneren Wirren, in die die deutsche Besetzung das Land verwickeln mußte, ist nicht nur in historischem Betracht lehrreich. Sie enthält zugleich den Schlüssel für die künftigen Aufgaben, die dort noch immer der Lösung harren.
Erschreckend wenig Verständnis gegenüber der überaus verwickelten Problemlage zeigt noch immer die öffentliche Meinung in Deutschland. Das bekunden aufs deutlichste die ahnungslosen Fragen, auf die der Elsaß-Lothringer noch immer allenthalben jenseits des Rheines stößt. Noch immer entnimmt unsere allgemeine Meinung die Maßstäbe für verfassungsmäßige Reformvorschläge nicht der kulturellen Sonderlage des Landes, sondern allgemeinen Parteidoktrinen oder gar bloß dem eigenen politischen Temperament. Oder wo sonsther stammt die Entrüstung alldeutscher und konservativer Kreise, daß man dem Elsaß noch lange nicht genug die starke Faust gezeigt habe, oder die ebenso sachfremde sentimentale Toleranz im Liberalismus, aus der heraus Naumann in seinem „Mitteleuropa" vor aller Welt darauf verzichtet, auf dem Markt von Kolmar die deutsche Sprache zur Herrschaft zu bringen? Erst wenn wir >mit diesen plumpen Alternativen unserer eigenen politischen Zielsetzung aufräumen, die uns