Hjalmar Brantings Sieg
<Lin Stockholmer Brief von Georg Lleinow
!ie Tageszeitungen haben es längst gemeldet: die Reichstags - wählen in Schweden haben mit einer Verminderung der Mandate der Rechten um sechzehn Plätze ihren Abschluß gefunden; die Mittelpartei der Liberalen hat davon fünf, die linke, nunmehr unumschränkt beherrscht durch Branting, hat elf Sitze gewonnen. Wer in Schweden irgendein Verhältnis zur Politik eingegangen ist, beschäftigt sich infolgedefsen mit Hjalmar Branting, dem ehemaligen Astronomen: der König, seine Minister und solche, die es waren oder werden wollen, die Zeitungsschreiber, Bankleute und Industriellen, nicht zuletzt die Vertreter der auswärtigen Mächte und selbstverständlich die Witzblätter und Kabarettsgrößen. Wird Branting Minister? Wird er mit der Kabinettsbildung beauftragt? Alle Chancen für und wider werden in tausend Gesprächen erwogen. Brantings Tun uud Lassen wird in der Presse eifrig verfolgt. Mit einem Wort: Branting der Mann des Tages! Um Branting. die Sonne der Internationalen, stellt sich ein Kranz von Sternen ersten Ranges, die Troelstra und Huysman und die flackernden Lichter der russischen Revolution. Branting ist zweifellos der kommende Mann der nächsten Zukunft, ob aber als Innenminister in dem unter liberaler Führung vielleicht zustandekommenden Koalitionsministerium oder als Führer einer das Land zerwühlenden Opposition, das ist heute noch nicht zu entscheiden.
Brantings gegenwärtiger Aufstieg ist nicht ohne weiteres als einer der großen Siege der Sozialdemokratie zu buchen, der geeignet wäre, dieser Partei Grenzbowl IV 1917 3