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von Dr. Carl Jentsch f
m vierten Bande des Jahrgangs 1912 der „Grenzboten" habe ich den ersten Band der Biographie Josef Bachems angezeigt, die sein Sohn, Dr. zur. Karl Bachem — natürlich im Bachemschen Verlag - herausgibt. Vom zweiten Bande, der schon 1912 erschienen, mir aber erst kürzlich zugegangen ist, gilt noch mehr als vom ersten, daß das (noch nicht vollendete) Werk eine Geschichte der katholischen Presse Deutschlands, in erster Linie selbstverständlich der Bachemschen Unternehmungen ist, in der das Leben des Titelhelden sehr zurücktritt. Der zweite Band erzählt die Geschichte der beiden Vorgängerinnen der Kölnischen Blätter („Kölnischen Volkszeitung"), der Rheinischen und der Deutschen Volkshalle. Das schön ausgestattete Buch enthält ein reiches Material von Urkunden und Beiträgen zur Geschichte der preußischen Preßgesetzgebung und der deutschen Verfassungskämpfe, eine Menge biographischer Skizzen von interessanten Persönlichkeiten und in den Anlagen unter vielen anderem wichtige und schöne Briefe vom Grafen Montalembert. Von grundsätzlicher und historischer Bedeutung ist, was der Verfasser S. 38 ff. über katholische Politik sagt. Die Religion sei allerdings Leitstern auch für die Politik, aber so wenig der Schiffer mit dem Kompaß allein, ohne Berücksichtigung der jeweiligen unmittelbaren Umgebung des Schiffes, auskomme, so wenig könne die Lösung aller einzelnen politischen Fragen der Religion allein entnommen werden. „Darum kann es eine katholische Politik nur geben in einem beschränkten Sinne und auf einem beschränkten Gebiete. Es gibt eine katholische Politik in Beziehung auf das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, auf dem Gebiete der öffentlich rechtlichen Stellung der Kirche, des Schulwesens und auf manchen anderen die Religion berührenden Gebieten. Auf allen diesen wird sich der Katholik ebenso an den Grundsätzen seiner katholischen Weltanschauung orientieren, wie der Protestant an seiner protestantischen und der Materialist an seiner materialistischen Weltanschauung. Aber es gibt keine katholische Politik in Sachen der Verfassung, des Wirtschaftslebens und der auswärtigen Angelegenheiten... Uns Heutigen sind diese Grundsätze geläufigsie sind uns in Fleisch und Blut übergegangen. Aber den Katholiken von 1848 warm sie noch keineswegs allgemein klar geworden." Darum setzte es heftige Kämpfe im katholischen Preßlager. Die Frömmsten forderten, da die Politik, in der man sich nicht einigen könne, nur Verwirrung anrichte, so sollten sich die katholischen Blätter ans das religiös-kirchliche Gebiet beschränken: aber das wollten doch eben die Gründer der katholischen Zeitungen nicht: reine Kirchenblättchen, deren man in genügender Zahl hatte, sollten diese nicht sein. Und so kam es denn nicht bloß zu Zerwürfnissen zwischen dem west-