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Gundolfs Goethebuch
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Gundolfs Goethebuch

Von Dr. Max Hildebert Boehm

berührt seltsam, sich — etwa an Hand von Victor Hehns licht- > voller Studie Goethe und das Publikum — die Schwankungen vor Augen zu stellen, denen die Schätzung Goethes noch bis in die achtziger Jahre hinein unterlag. Heute ist das Gcsamturteil über ihn jeglichem Zweifel entrückt, während etwa die Haltung des deutschen Geistes zu Schillers Werk und Person noch keineswegs fest und eindeutig geworden ist. Mit keinem unserer großen nationalen Genien hat sich wissenschaftliche Darstellung und Deutung in den letzten Jahrzehnten so ein­gehend beschäftigt wie mit Goethe. Und so hat diese in literar-historischem Betracht nicht allzu ergiebige Zeit uns eine ganze Anzahl von Goethebüchern geschenkt, die sich hoch über den Stand braver und gründlicher Durchschnitts­gelehrsamkeit erheben.

Denn dies war das Gepräge der viel verlästerten Goethephilologie, deren endgültiger Erfolg es jedenfalls ist, daß sich ein wissenschaftlich haltbares Bild des Goetheschen Lebens in seinem empirischen Ablauf dem allgemeinen Bewußtsein fest einfügte. Einzelhypothesen mögen auch da noch schwanken, die Modelljäger bringen von Zeit zu Zeit wieder ein neues Wild zur Strecke, im übrigen ist das Tatsachenmaterial im großen und ganzen soweit geklärt, daß es durch Darstellungen wie die Bielschowskys den breiteren Kreisen der deutschen Bildung als Gemeingut einverleibt werden konnte. Von dort dringt es in den Lehrstoff der Oberklassen miserer höheren Schulen, und so ist erst recht die sichere Gewähr gegeben, daß diese Tatsachen als solche integrierender Bestandteil der deutschen Allgemeinbildung werden und bleiben.

Damit, daß so eine feste kable conveliue der Goetheschen Existenz im allgemeinen Bewußtsein Gestalt gewonnen hat, ist in unserem Verhältnis zu Goethe eine Stufe erklommen, auf der ein neuer Typ von Goethewerken möglich wird. Das bloße Nacheinander der Lebenstatsachen genügt nicht mehr: seine Kenntnis kann vorausgesetzt werden. Wohin führt der Weg weiter? Chamberlain versuchte eine Gesamtsynthese, indem er einige große Querschnitte durch die Goethesche Existenz zog und so wenigstens einzelne Teilansichten ab­zurunden vermochte. Weder sachlich noch methodisch bedeutete das eine wesent­liche Neuerung. Aber wenn schon die Umständlichkeit und Breite der Ent­wicklung gerade den ostentativ verleugneten akademischen Zopf auf peinlichste