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Dritter offener Brief an Herrn von Heydebrand und der Lase
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Dritter offener Brief an Herrn von Heydevrand und der Läse

von Dr. Friedrich Thimme

uch Sie. Herr von Heydebrand, haben in Ihrer Herforder Rede, wie es in der konservativen und alldeutschen Presse seit langem gang und gäbe ist. gegenüber demjämmerlich schwachen" Reichs­kanzler von Bethmann Hollweg denstarken" Bismarck auszu­spielen gesucht. Ja, haben Sie, gerade Sie, denn überhaupt ein Recht, sich auf den großen Toten zu berufen? Wissen Sie denn nicht, daß der Altreichskanzler es immer und zu allen Zeiten als die erste und vornehmste Pflicht der konservativen Partei betrachtet hat, die Autorität der Regierung mit allen Kräften zu stützen und zu wahren? Daß er der Partei und ihrer Leitung es stets zum schweren Vorwurf gemacht hat, wenn sie sich der Regierung in wichtigen Fragen es sei nur an die Frage des SchulaufsichtsgesetzeS in den siebziger Jahren oder an die der Altersversorgungs- und Invaliden gesetzgebung in den achtziger Jahren erinnert auch nur versagte oder gar widersetzte? Daß er grundsätzlich von der konservativen Partei verlangt hat, durch sie in der Gesamtheit der Politik gestützt und gehoben zu werden, da er sich doch nicht partiell stützen und heben lassen könne? Mit gutem Grunde hat Bismarck von der konservativen Partei, eben weil sie von alters her aufs engste mit dem Staat und der Regierung verwachsen war, ein besonderes Maß von Verant- wortlichkeitsgefühl verlangt. Wie würde er nach alledem, Herr von Heydevrand, wohl von einem Parteiführer denken, der nicht etwa in gewöhnlichen Friedens­zeiten, sondern mitten in der ungeheueren Not und Bedrängnis des Weltkrieges, statt seine letzten Kräfte aufzubieten, um die Autorität der Negierung zu wahren, im Gegenteil sein Möglichstes tut, um diese Autorität zu untergraben, wie Sie es mit Fleiß in Ihrer Herforder Rede getan haben? Grenzboten II 1817 23