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Ein neuer Staat
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Gin neuer Staat

von Professor Kranz

it der Tatsache der Wiederherstellung eines selbständigen König­reichs Polen durch die Mittelmächte hat sich die Mehrzahl der Deutschen, trotz schwerer Bedenken, abgefunden. Damit ist das Ob" für uns entschieden und aus der Erörterung ausgeschaltet. Nur über dasWie" haben wir noch den dringenden Wunsch, uns zu äußern, namentlich dann, wenn uns deutsche Lebensinteressen gefährdet erscheinen, so z. B. über die Grenzen Neupolensinsbesondere nach Osten", über sein Verhältnis zumautonomen" Galizien, über die Regelung seiner politischen, militärischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu denbeiden ver­bündeten Mächten" und über den Schutz etwa im Weichselgebiete verbleibender nationaler und religiöser Minderheiten. Leider ist uns dies nur in eng ge­steckten Grenzen gestattet. Trotzdem vermag diese und jene Schrift deutsch ge­sinnter Deutscher zur Polenfrage Stellung zu nehmen und, ohne auf unsere Kriegsziele einzugehen, zu belehren und aufzuklären. Solche in den Gesichts­kreis der Leser derGrenzboten" zu rücken, ist an sich und auch deshalb ge­boten, weil polnische Autoren und ihre deutschen Parteigänger, in der Meinungs­äußerung kaum behindert, den deutschen Büchermarkt mit Zeit- und Streit­schriften in unserer Muttersprache überschwemmen und die deutsche öffent­liche Meinung als Vorspann für polnische Bestrebungen und Kriegsziele einzu- sangen suchen.

Gothein, der bekannte Parlamentarier, enipfiehlt in seinem Anfang 1916 entstandenen und Anfang 1917 im wesentlichen unverändert gedruckten, aus guten Gründen zu beachtenden BucheDas selbständige Polen als Nationa­litätenstaat"'') ein polnisch-litauisch-kurisches Staatswesen zu schaffen. In dem Entschlüsse, diesen Vorschlag, alsnicht eine ideale", aberdie denkbar beste Lösung der in Polen vorliegenden ungemein verwickelten und schwierigen Probleme", der Öffentlichkeit zu unterbreiten, mag ihn die Zwei-Kaiser-Proklamation vom 6- November 1916 bestärkt haben, die den Polen von dem, was er ihnen be­willigt, ja bereits das wichtigste Stück, die Autonomie des Weichselgebietcs, ge­währt. Der eigenartige Gedanke wird so manchen Deutschen befremden. Daß sein Urheber ihn zu fassen vermocht und keine Mühe gescheut hat, ihn zu be-

*) Georg GotheinDas selbständige Polen als Nationalitätenstaat". Stuttgart, Deutsch/ Verlagsanstalt (1,60 M.).

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