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Österreichische Kriegsziele
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Österreichische Ariegsziele

von Professor Dr. «Lonrad Bornhak

hne Gebietsabtretungen und Entschädigungen will der russische Arbeiter- und Soldatenrat Frieden schließen. Das ist auf Seite des Besiegten ein verflucht gescheuter Gedanke, nach einem von der eigenen Staatsgewalt frevelhaft vom Zaune gebrochenen Kriege und nach erlittener Niederlage sich ohne jeden Verlust aus der Geschichte herauszuziehen. Doch eine andere Frage ist es, inwiefern ein solcher Gedanke auf feiten des Siegers Gegenliebe findet. Aus fozialdemokratischem Munde ertönte schon das Echo des Scheidemannfriedens. Überraschender erschien es, daß auch die österreichische Regierung erklären ließ, sie fordere von Rußland keinerlei Gebietserwerb.

In manchen deutschen Kreisen ist das als österreichische Unfreundlichkeit ausgelegt worden, da dadurch auch die deutsche Regierung in dieselbe Richtung gedrängt würde. Nichts liegt aber ferner. Kann doch dem Auslande die Unterstützung eines Scheidemannfriedens gerade als Unterstützung der deutschen Regierung erscheinen. Und der Reichskanzler hat denn auch schon die Er­klärung abgegeben, er sei mit der österreichischen Reichsleitung ein Herz und eine Seele.

In der Tat können für die auswärtige Politik eines Staates felbst unter engsten Bundesgenossen nur die eigenen Interessen maßgebend sein. Und diese sind in den Kriegszielen gegenüber Rußland für Osterreich etwas andere als für Deutschland. ^

Sehen wir uns die Kriegskarte an, so hat Deutschland außer Kongreß­polen und seinem weiteren östlichen Hinterlande ein weites Gebiet von Litauen und Kurland, die militärische Deckung Ostpreußens besetzt. Die Österreicher haben zwar auch einen Teil Kongreßpolens inne, dagegen haben die Russen init Ostgalizien und der Bukowina ungefähr ebenso viel österreichisches Gebiet besetzt wie Deutschland französisches. Grenzboten II 1917 17