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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Politik

Friede nnd Bündnis im Asten! (Vgl. »Grenzboten" vom 2.Mai 1917Gegenwarts­möglichkeiten im Osten" von Georg Cleinow.) Ob das Deutsche Reich sich Gebiet einver­leiben muß, das jetzt zum russischen Reiche gehört, steht noch dahin. Jedenfalls kann es sich nur um verhältnismäßig kleine Teile solchen Gebietes handeln, das zum eigent­lichen Rußland nicht gehört und von einer den Russen stamm-, sprach- und sittenfremden Bevölkerung bewohnt wird. Der Verlust solchen Gebietes würde dem echten Nußland ebensowenig Abbruch tun, wie der unver­meidliche Verlust Polens, das ein selbständiger Staat wird.

Unter allen Umständen sollten aber Deutsch­land und Nußland so schnell wie möglich zum Frieden, ja zur Freundschaft und zum Bündnis miteinander zu kommen suchen. Der Friede im Osten würde das Ende dieses ganzen Krieges naherücken und ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Rußland und Deutsch­land würde den Weltfrieden für absehbare Zeit sichern. Das ist sür alle Länder, die jetzt kriegführenden voran, das wichtigste.

Seit den achtziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts bis zum Tode Alexanders des Zweiten war die Freundschaft zwischen Preußen und Rußland fast ein Jahrhundert lang unverbrüchliche Überlieferung in beiden Ländern. Das bedeutete ohne weiteres Freundschaft zwischen Nußland und dem neu­gegründeten Deutschen Reiche. Aber auch zu Österreich war das Verhältnis Rußlands währen d jener Zeit ein gutes, zeitweise sehr gutes.

Die Lage änderte sich, als mit dem Re­gierungsantritte Alexanders des Dritten die russische Staatskunst jene verderbliche all­

slawische Richtung annahm, die sie dann be­halten hat uno die in Wahrheit nichts an­deres ist, als ein völlig ungerechtfertigtes Streben Nußlands nach der Herrschaft über den ganzen Osten und Südosten und über einen guten Teil der Mitte Europas.

Es steht aber kein vernünftiger Grund der Wiederlehr der alten besseren Zeiten ent­gegen. Vielmehr liegt es im wohlverstandenen Interesse der Länder der Mitte, des Ostens und des Südostens von Europa, sich nebst den asiatischen Gebieten Rußlands und der Türkei zur gegenseitigen Förderung ihrer Wirtschaft und ihrer Kultur sowie zur dauern­den Wahrung ihres Friedens freundschaftlich und machtvoll zusammenzuschließen. Diese große eng zusammenhängende Läudermasse bildet von Natur ein wirtschaftliches Gesamt­gebiet, mag das in sich auch in noch so viele Einzelgebiete zerfallen. Sie steht in einem natürlichen Gegensatze zum Westen, vor allem zu England und Amerika.

Nußland scheint auf dem Wege zur An­erkennung und Schonung der Eigenart seiner Fremdvölker zu sein. Wenn es diese An­erkennung und Schonung hinfort auch dem baltischen Deutschtum zuteil werden läßt, dann steht selbst rein gefühlsmäßig einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Deutsch­land und Rußland nichts entgegen. Den Krieg vom Zaune gebrochen hat nicht das russische Volk, sondern seine Regierung und das Hnus Romanow, das jetzt die verdiente Vergeltung ereilt hat. Dieser Krieg braucht zukünftiger Freundschaft zwischen den Ländern nicht entgegenzustehen.

Aber muß das nicht die neue demo­kratische Staatsform Rußlands, das wahr­scheinlich dauernd eine Republik wird? Mit nichten!