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Weltherrschaft und europäisches Gleichgewicht
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Weltherrschaft und europäisches Gleichgewicht

von Professor Dr. Lonrad Bornhak

it der Einseitigkeit, die den Völkern des Altertums eigentümlich ist, schloß dessen Entwicklung mit einem Volke ab, das nur in dem Gedanken an Recht und Staat lebte und mit einer bis dahin beispiellosen politischen Befähigung die ganze, damals bekannte Kulturwelt in dem römischen Weltreiche zusammenfaßte. Größeres schien nimmer erreichbar. Und christliche Mystik faßte denn auch im Anschlüsse an die Weissagungen des Propheten Daniel das römische Reich als die letzte großen Monarchien auf.

Nichts läßt Roms Größe gewaltiger erscheinen, als daß das römische Reich selbst nach seinem Untergange noch fortlebte. Es setzte sich einmal fort w der römischen Kirche des Mittelalters, die. gestützt auf die Überlieferungen des römischen Beamtenstaates ein geistliches Reich begründete, das unter den großen Päpsten auch die weltliche Gewalt an sich zu ziehen schien. Aber auch die Germanen, die das römische Weltreich zerstörten, knüpften schließlich ihre eigene Staatsgewalt an die ewige Roma an. Das fränkische und später das Deutsche Reich erhoben mit dem Ansprüche, das römische Reich fortzusetzen, auch dessen Anspruch auf die Weltherrschaft. So ist das Mittelalter beherrscht von dem Augustinischen Gedanken des Livitas äei. des Gottesreiches auf Erden unter der obersten Herrschaft des Kaisers, dann des Kaisers und des Papstes und dann des Papstes allein. Die Einheit der Christenheit suchte sich auch in einer einheitlichen staatlichen Gemeinschaft zu betätigen, die alle Grenzen der Völker und Länder überschritt.

Diese Weltherrschaftspläne erloschen in dem weltgeschichtlichen Kampfe Wischen Kaisertum und Papsttum. Mit dem Untergange der Hohenstaufen brach die Herrschaft des Kaisertums, mit der babylonischen Gefangenschaft der Kirche zu Avignon die des Papsttums zusammen. Statt dessen zeigt das ausgehende Mittelalter überall die Entstehung nationaler Staaten, nur Deutsch- Grenzboten II 1917 16