Von den guten (Eigenschaften der Flamen
von vr. L, s.
elgien — ja — aber ohne die Belgier", dies Wort taucht in deutschen Landen häufig da auf, wo die belgische Frage erörtert wird. Und es hat seine Berechtigung; denn uns Deutschen, den an Zucht, Ordnung. Recht und Gesetz, an straffe Anspannung des Willens, an Schulung des Geistes und ständige Mehrung des Wissens und Könnens Gewöhnten — uns erscheint das heutige Belgien in bezug auf jede einzelne der genannten Forderungen recht erbärmlich. Die Belgier sind ein schlecht regiertes und schlecht erzogenes Volk, und wo sie mit deutscher Tatkraft und deutscher Erziehung des Körpers und Geistes in Wettbewerb treten, da bleiben sie ganz allgemein die Unterliegenden.
Es wird in Deutschland vielfach angenommen, daß die Flamen, als der reiner germanische Teil der belgischen Bevölkerung, uns näher ständen als die Wallonen und diesen überlegen seien. Besonders die ruhmreiche Vergangenheit der hervorragenden altniederländischen Provinzen Flandern und Brabant verführt zu dieser Annahme. Wollen wir aber nicht vergessen, daß dieser Ruhm der Vergangenheit angehört, und wollen wir die heutigen Flamen mit ihren großen Vorfahren ebensowenig verwechseln, wie etwa im Leben einer alten Familie den mittelmäßigen Stammhalter mit seinem bedeutenden Ahnherrn. Die Flamen der Gegenwart taugen in bezug auf die oben genannten Eigenschaften nichts mehr als ihre wallonischen Mitbürger. Nachlässigkeit, Bestechlichkeit, Schlaffheit, Unbildung sind in flämischen Landesteilen so gut zu Hause wie in Wallonien. Die Folge ist, trotz unglaublich günstiger Lebensbedingungen, in ganz Belgien ein Mindermaß an allgemeiner Kultur gegenüber unserem rauheren, ungünstiger gelegenen und von jeher vielbedrohten deutschen Vaterlande.
Trotzdem darf behauptet werden, daß für uns Deutsche die Flamen der wertvollere Vevölkerungsteil Belgiens sind. Nicht nur dem Blute nach stehen sie uns näher. Sie besitzen auch einige Eigenschaften, von denen der Deutsche lernen dürste, ohne sich zu schaden.
Die Eigentümlichkeiten des Flamenvolkes können wir am besten verstehen, wenn wir sie mit der Gemütsart der Kinder vergleichen. Die Flamen sind große Kinder, und wie bei Kindern sind bei ihnen Unmittelbarkeit und Natürlichkeit im Empfinden und in dessen Äußerung hervorstechende Züge des Charakters. Wie ein Kind ist der Flame imstande, zwar nicht nachhaltig, aber leicht und von ganzer Seele erregt zu werden. Obwohl in der Sprache dem