Die Zukunft der evangelischen Airche
von I^io. m. Peters
us den Flammen des Weltkrieges, steigt vor unseren Augen, erneuert und geläutert, das Zukunftsbild unseres deutschen Volkes auf, und darin findet auch die zukünftige Gestalt der Kirche ihren Platz. Es find jetzt über die Entwicklung, die das politische und soziale Leben, die Kunst, die Schule, schließlich alle Zweige der Kultur durch den Krieg nehmen werden, viele Stimmen laut geworden. Bei empfundenem Unbehagen mit dem gegenwärtigen Stande hat man freigebig und hoffnungsvoll Wechsel auf die Zukunft nach dem Kriege ausgestellt, als wo sich alles, alles wenden müßte. — natürlich erhofft jeder eine Wendung nach seinem Sinne.
Auch mit Bezug auf das kirchliche Wesen ist das geschehen, und hier sogar mit besonderen» Eifer. Solche Stimmung ist zu begreifen. Stand man doch gerade den kirchlichen Dingen weithin mit dem Gefühl gegenüber, daß sie so nicht weitergehen könnten, daß ein Neues kommen müßte, wenn sie nicht der Auflösung verfallen sollten.
In der Tat war der Zustand der evangelischen Kirche vor dem Kriege nichts weniger als erfreulich. Zwar fehlte es nicht an Lichtseiten. Es wird schwerlich eine Epoche gegeben haben, in der von ihren Vertretern, entsprechend dem allgemeinen Arbeitseifer unseres Volkes, ein größeres Maß ernster, tüchtiger Arbeit geleistet worden ist. Wenn auch die Theologie in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten keine einzige originale Gesamtdarstellung ihres Glaubens zustandegebracht hat, hat sie doch die Einzelgebiete nach mannigfachen neuen Methoden und Gesichtspunkten erfolgreich angebaut; und man braucht nur den Namen Innere Mission zu nennen, um sich des Umfanges der praktischen kirchlichen Arbeit bewußt zu werden.
Aber nun doch: was ward erreicht? Gerade angesichts des angestrengten Bemühens erscheint die Tatsache in um so ernsterem Lichte, daß es der Kirche nicht gelungen ist, das Volk, das dem Namen nach ihr zugehört, auch wirklich GrenzSoten II 1917 13