Vas neue Flandern
von Dr. Aarl Buchheim
er Weltkrieg läßt uns in seiner Länge Zeit, uns über unsere Kriegsziele gründlich klar zu werden. Wir Deutschen sind ein realpolitisch nicht übermäßig begabtes Volk; die lange Bedenkzeit ist deshalb vielleicht nicht ohne erzieherischen Wert. Man wird indessen feststellen, daß gewisse Gebiete immer bestimmter in den Mittelpunkt der Erörterungen treten: wie etwa — um in Europa zu bleiben — Kurland, Litauen, Siücke des französischen Lothringen, Belgien. Wir fangen allmählich an, zu wissen, was wir wollen, und das ist für den kommenden Diplomatenkrieg schon ein unschätzbarer Gewinn.
Was speziell die Frage der belgischen Zulunst angeht, so haben ihr die „Grenzboten" im Dezember 1916 zwei Aufsätze gewidmet: einen von Professor Bornhak (Nr. 49) und einen von mir (Nr. 51). Seitdem haben sich die Dinge in einer Richtung entwickelt, die den dort geforderten Grundsätzen vielleicht gerecht zu werden verspricht. Es gilt, das Eisen zu schmieden, solange es glüht. Die deutsche politische Öffentlichkeit hat weder das Recht, lediglich von allgemeinen patriotischen Hochzielen zu träumen, noch sich allzu gründlich in wirtschaftliche oder technische Einzelschwierigkeiten der politischen Zukunft zu vertiefen, sondern es gilt, solche Realitäten klar zu fordern, die man grundsätzlich haben will, und den Kopf vor dem nicht in den Sand zu stecken, was die Folgen solchen Wollens sein müssen.
Wir wissen heute noch besser als im Dezember, als das deutsche Friedens- angebot vielleicht noch einmal manchen Illusionen freie Bahn zu geben schien, daß das alte Belgien von 1914 nicht wieder auferstehen darf. Zwar hat Belgien bis heute den Londoner Vertrag nicht unterzeichnet, gibt sich also noch immer den Anschein, als kämpfe es nicht für die Interessen des Vierverbandes, sondern nur für seine mißachtete Neutralität. Aber wir wissen natürlich, was von solchem Vorgeben zu halten ist. Die belgische Neutralität war scyon vor GrenzbotM II 1917 3