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Neue Homerbücher
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Neue Homerbücher

von Professor Dr. W. Janell sas Goethe-Wort:

>Was Homer erschuf und Scipionen,

! Kann nimmer im gelehrten Treibhaus wohnen"

erfüllt sich mehr und mehr in unserer Zeit: viele unserer Besten find bestrebt, die griechische Antike zu lebendigem Wirken in unserem Volke zu bringen, es zu erreichen, daß sie nicht auf die mehr oder weniger pflichtgemäße Beschäftigung von seiten der Jugend in der Schule be­schränkt bleibe, sondern das nationale Kulturleben kräftig beeinflusse. Das gilt in höchstem Maße von Homer.

Gewiß ist, daß Homer einen Bestandteil unserer Kultur bildet, der nicht wegzuleugnen und nicht wegzudenken ist, und zwar trotz der Mängel, die man etwa den Vermittlern Homers, der Schule oder der Übersetzung von Voß, vor­werfen mag. Wenn also Thassilv von Scheffer meint, durch jene sei den Deutschen von heut Homer derart ungenießbar gemacht worden, daß man die wenigen Männer, meist selbst Dichter und Künstler, herzählen könnte, die noch mit völliger Begeistemng sich in dieses wundervolle Meer von Poesie versenkten, so trifft das in der Allgemeinheit gewiß nicht zu. und mit vollem Recht sagt Waldmann:Unsere Zeit verlangt nach der griechischen Antike. Man braucht sich nur das Schaffen unserer Dichter anzusehen und aufzumerken, wohin ihre Phantasie sie immer wieder führt, wie sie von den griechischen Dingen erfüllt find, vom Mythus, von der Form, vom Menschentum". Gewiß find es. wie Scheffer meinte, vor allem Dichter und Künstler, die jene Sehnsucht in sich fühlen, aber durch sie äußert sich doch auch des Volkes Empfinden, durch ihre Vermittlung vermag es Homer in sich aufzunehmen. An der Möglichkeit dazu fehlt es wahrlich nicht; denn die letzten Jahre brachten so viele tüchtige Würdigungen Homers.

Allen, die es drängt, den Dichter zu genießen und zu würdigen sei es im Urtext, sei es in einer Übertragung können die neuen Bücher Georg Finslers in vielem treffliche Führer sein. Finsler*). der im letzten Jahre ver­storbene Rektor des städtischen Gymnasiums in Bern, war ein Philolog von tüchtigster Art, von kraftvoller, stahlharter Gelehrsamkeit; auf keine Autoritäten

«) Homer, Teil I:Der Dichter und seine Welt". 2. Aufl. (Leipzig 1914, Teubner. 8° XVI u. 460 S. Geb. S Mary. Die homerische Dichtung (Aus Natur und Geisteswelt'). Leipzig 1918. 11» S.