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Belgiens Neutralitätsrecht
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Belgiens Neutralitätsrecht

von Geh. Iustizrat Professor Dr. Th. Niemcycr

!m Abend des 4. August 1914 wurde das Neutralitätsrecht Belgiens in den Mittelpunkt der Weltbewegung gerückt. Eng­lands Staatsmänner haben das fertig gebracht. Durch einen der unaufrichtigsten, gröbsten und zugleich erfolgreichsten der politischen Kunstgriffe, die die Welt gesehen hat, ist es der eng­lischen Regierung gelungen, die Welt eine Zeitlang glauben zu machen, fie führe Krieg um des Rechtsschutzes der belgischen Neutralität willen. Und Englands Regierung hat es verstanden, mit diesem Vorwand ihren Krieg volks­tümlich zu machen, in England und außerhalb Englands, und fie hat damit erreicht, das englische Volk, das überwiegend den Krieg nicht wollte, zu einer nationalen Entrüstung und zu einer nationalen Erhebung, welche zu Beginn des Krieges ohne jenen Vorwand schwerlich zu erreichen gewesen wäre, auf­zustacheln.

Daß Deutschland den ungeheuren Betrug, der hier begangen wurde, nicht vorausahnte, nicht bereits vor seiner Begehung entlarvte oder doch nach seiner Vollbringung sofort mit der sieghaften Schärfe klarer Rechts- und Tatumstände bekämpfte, daß es vielmehr die heuchlerische Anklage durch ein Bekenntnis formalen Unrechts unterstützte, ist wohl die größte politische Mißlichkeit, welche Deutschland während dieses Krieges erfahren hat.

Inzwischen ist manches bekannt geworden und vieles geschehen, was Licht in die Dinge gebracht hat. Daß das belgische Neutralitätsrecht für England nur Vorwand war, ist mittlerweile allen klar geworden, die nicht vorsätzlich ihre Augen verschließen. Die seit zehn Jahren von England, Frankreich und Belgien betriebene politische und militärische Konspiration gegen Deutschland steht außer Zweifel. Es liegen Zeugnisse einer Reihe französischer Gefangener darüber vor. daß Belgiens Gebiet bereits seit Ende Juli 1914 durch in der Maßgegend einrückende französische Regimenter von feiten Frankreichs verletzt worden ist. Ferner hat der belgische Diplomat Bassompierre, der die Nacht Grenzboten I 1917 21