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Der Krieg als Vermittler zwischen kirchlicher und unkirchlicher Frömmigkeit
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Der Arieg als Vermittler zwischen kirchlicher und unkirchlicher Frömmigkeit

von Paul Denker, Pastor an der St. Marienkirche zu Lübeck

!s ist sicher nicht übertrieben, wenn man sagt, daß dieser Krieg ! dem deutschen Volke den Wert der Religion von neuem offen­bart hat. Unser Volk empfand es unmittelbar, daß es für die gewaltige Kraftanstrengung, die von ihm gefordert ward, die "religiösen Kräfte nicht entbehren konnte. So mischte sich vom ersten Tage des Krieges an in die hinreißende vaterländische Begeisterung ein ernster, frommer Ton. Die frommen Worte, die unser Kaiser damals aus be­wegtem Herzen zu seinem Volke sprach, fanden wohl in allen Herzen einen lebhaften Widerhall, auch in den Herzen derer, die zu andern Zeiten über solche Worte vielleicht spöttisch gelächelt haben würden. Und die starke äußere und innere Anteilnahme unseres Volkes an dem ersten allgemeinen Kriegsbet­tage bewies es noch deutlicher, daß in jenen Tagen tiefster Erregung, in jenen Tagen voll banger Sorge und Unruhe, voll aufflammender Begeisterung und Kampfesfreudigkeit die Seele des deutschen Volkes wirklich das Bedürfnis hatte, sich im Aufblick zu Gott auch innerlich zu sammeln und zu rüsten zum schweren Kampf. Mit tiefer Inbrunst sangen wir:Ein' feste Burg ist unser Gott" und dasGott mit uns!" sonst nicht viel mehr als eine ausgedroschene fromme Redensart es ward uns wieder ein Quell der Kraft und Zuversicht.

Daß der Krieg solch eine Wirkung auf unser Volk ausüben würde, hatte man nicht voraussehen können. Und ich glaube, es kam auch ganz unerwartet für uns alle. Es ist ja keineswegs selbstverständlich, daß der Ausbruch eines Krieges solche starke religiöse Bewegung hervorruft. 1870 hat man wenig davon gespürt. In den Freiheitskämpfen waren allerdings die Herzen des deutschen Volkes auf den gleichen ernsten, frommen Ton gestimmt. Aber 1813 lagen die Verhältnisse doch wesentlich anders als 1914. Damals hat nicht der Ausbruch des Krieges, etwa der Ausruf des Königs an sein Volk, die religiösen Kräfte entbunden, sondern die Jahre der Knechtschaft, der furcht­barsten Not, hatten schon längst die Herzen ernst gestimmt und sie empfänglich gemacht für die unermüdliche Arbeit der Besten im Volk, die ihre ganze Kraft Grenzboten I 1917 1K