Die Arisis der russischen Innenpolitik
ür die russische Regierung handelte es sich seit dem Moment, wo Miljukow die aufreizenden Reden in der Duma gehalten hatte, darum, sich klar darüber zu werden, ob die Stimmung des Landes dahinter stand oder nicht. Je nachdem, zu welchem Ergebnis sie kam, mußte sie, wenn sie die Ereignisse nicht treiben lassen, sondern selbst treiben wollte, entweder Konzessionen an den Dumablock machen oder diesem mit fester Hand entgegentreten. Die Ereignisse haben gezeigt, daß die russische Regierung den letzteren Weg gewählt hat; sie haben uns auch gezeigt, daß sie ihn wählen konnte, ohne selbst eine wesentliche Gefahr zu laufen. In der Tat waren die Elemente, die der progressive Block in der Duma in sich vereinigte, recht bunt. Vom Grafen Bobrinsky bis zu den Progressisten klafft ein so starker Abgrund, daß es äußerlicher und zum Teil nichtssagender Etiketten bedürfte, um diese verschiedenen Richtungen zum gemeinsamen Ziel zu vereinigen. Das aber natürlich bedingt auch eine gewisse innere Schwäche des Blockes, und diese innere Schwäche hatte die Regierung in dem Augenblick erkannt, als Kruvensky, der Führer des Zentrums, seinerzeit beim ersten Auftreten der Duma gegen Stürmer mit Protopopow über die von der Duma abzugebenden Deklarationen verhandelte.
Die Taktik des Dumablockes in ihrem Kampfe gegen die Regierung war in geschickter Anpassung an die innere Struktur des Blockes von den Blockführern weniger auf das Sachliche als auf Persönliches abgestellt worden. Man sprach nicht vom innerpolitischen System Stürmers und Protopopows, man sprach von ihrem „verräterischen" Handeln. Dieselben Methoden hat dann später Purischkewitsch in seiner Rede gegen die „dunklen Kräfte" angewandt. Das waren demagogische Methoden, die auf das Land im Augenblick Eindruck machten, die aber schließlich doch keinen nachhaltigen Effekt hatten, ihn auch nicht haben konnten, weil die Anschuldigungen einmal nicht beweisbar waren, Grenzboten I 1917 15