Vorarbeiten und Bestrebungen zur landwirtschaftlichen Neugestaltung Englands
von Albert Bencke
nser Unterseebootkrieg hat England vor neue Tatsachen gestellt, die heute das ganze Land in Erregung bringen und in den allgemeinen Ruf nach bis aufs Maximum gesteigerter Weizenproduktion ausklingen. Da es sich hier nicht nur um Augenblicksstimmungen handelt, denn die Gefahr ist groß und ihre Erkenntnis reicht in alle Schichten des Volkes hinab, was trotz der Zensur aus den englischen Zeitungsberichten klar hervorgeht, so müssen wir damit rechnen, daß wir in nicht allzu langer Zeit einem, in landwirtschaftlicher Beziehung reformierten England gegenüberstehen, und es ist sicherlich für uns von großem Interesse, schon heute darüber ins klare zu kommen, auf welche Weise man diese Reform durchzuführen gedenkt und was, nach der traditionellen Gestaltung der Dinge in England von dieser Durchführung zu erwarten ist. Sicherlich würde es sich hier um einen gewaltigen Umschwung, um einen verwickelten Systemwechsel handeln, der auch ohne das ganz besondere Interesse, das wir an der inneren Gestaltung Englands notgedrungen nehmen müssen, kulturpolitisch von höchster Bedeutung wäre.
Mau ist bei uns, wo Landwirtschaft und Industrie Hand in Hand arbeiten, wo beide gleichstarke und gleichberechtigte Stützen des ganzen Staatsbaues sind, nicht leicht in der Lage, sich ein zutreffendes Bild von der Stellung der englischen Landwirtschaft, die sie vor dem Kriege einnahm, zu machen. Im Parlament wurde über landwirtschaftliche Fragen nur dann gesprochen, wenn eine der beiden Parteien das Farmer-Votum zu irgendeinem politischen Zwecke brauchte, und in den Besprechungen der Finanz- und Handelswelt konnte man zwar oft von den Ernten Kanadas und Argentiniens, nie oder selten aber von dem Saatenstand und dem Ernteerträgnis in England hören. Der englische Ackerbau war ebensowohl für die gesetzgebende Versammlung als auch für die führenden Handelskreise des Landes eine zu vernachlässigende Größe, die nur bei besonderen Gelegenheiten, als Hilfsmittel zu Zwecken, die mit dem Ackerbau nichts zu tun hatten, aus der Versenkung, in der man sie hielt, emporstieg. Bezeichnend hierfür ist die Tatsache, daß der Präsident des „Lvarä ok /^rikulture", der unserem Ackerbauminister entspricht, im Ministerium nur die Rolle eincs
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