Jahreswende
Der letzte Tag im Jahr,
Er ist, wie jeder war.
Leise geht eine Türe zu:
Da liegt eine Hoffnung in ewiger Ruh'.
Leise hat eine sich aufgetan:
Da tragen wir hin den alten Wahn,
Der immer noch hoffen will.
Dann kommt die letzte Nacht. . .
Es dunkelt schon, die Flocken fallen still,
Und sieh! am Weihnachtbaum,
Wo wir als Kinder gejauchzt und gelacht,
Brennen zum letztenmal die Kerzen
Wie ein heimlich leuchtender Kindertraum,
Wie Sehnsucht in Menschenherzen.
Und horch — nun schallen die Glocken!
Dichter und dichter
Fallen die Flocken,
Am Baum verlöschen die Lichter.
Du neigst das Haupt, des Schicksals müdes Kind,
Und weißt es nun, was Erdengäste sind:
Lichter, die im Dunkel stehen,
Flocken, die zur Erde gehen,
Klänge, die im Wind verwehen.
Karl Berner
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