380
Constanza
Läuterungsarbeit vorher stammt, das können vielleicht erst sehr späte Beurteiler erkennen. Nicht der Zufall allein, daß dieser sechzigste Geburtstag in eine Zeit füllt, in welcher der Blick sich immer wieder von allem Persönlichen hinweg ins Allgemeine lenkt, tiefere wesentliche Gründe vor allem führen vom Individuellen dieser Gelegenheit immer wieder hinweg zu unser aller Schicksal. So viel von persönlichstem, aus Künstlergaben quellendem Wirken, hat sich hier in dreißig Jahreen entpersönlicht, ist zum objektiven Besitztum der Generation vor dem Kriege geworden. Die Verantwortung gerade dieser Generation vor der Geschichte ist nicht gering: von dem Erbteil, das sie der Zeit nachher geschaffen und bewahrt hat, wird unser weiteres Dasein als Volk nicht viel weniger abhängen, wie von den ernsten Entscheidungen dieser Tage selbst. Die Frage: Was ist echt an euch gewesen? wird dann über ihre ästhetische Bedeutung hinaus erst in ihrem Schicksalswert erkannt werden. Der jetzt Sechzigjährige stellte und stellt sie immer und immer wieder. Möge sie nie unter uns verstummen.
(Lonstanza
von Professor Dr. ZV. Lapelle
er Name Constanza weckt mancherlei Erinnerungen bei dem, der sich in vergangene Zeiten zu vertiefen, Menschen- und Völkerschicksale zu überdenken gewohnt ist.
Der kühne Unternehmungsgeist griechischer Kaufleute aus I Milet hat im Laufe des achten und siebenten Jahrhunderts v. Chr. die unwirtlichen Küsten des Pontus mit einem Kranz rasch aufblühender Städte besiedelt, die dem gefürchteten Meere den Namen des „Gastlichen" (Euxinus) einbrachten. Auch im Süden des Jstros, an der Küste der Dobrudscha, faßte der milesische Kaufmann bald Fuß; eine seiner Gründungen erhiel den Namen Tomeus (Tomi). Es ist das heutige Constanza (Küstendsche). Aus der älteren Geschichte der Stadt wissen wir wenig; im dritten Jahrhundert gewann sie, die ein Zankapfel zwischen Byzcmz und Kallatis gewesen war, ihre Unabhängigkeit wieder, eine jener griechischen Handelskolonien fern im Barbarenlande, deren Selbständigkeit vielfach durch Prägung eigener Münzen bezeugt wird. Durch den Zug des Lucullus im Jahre 72 v. Chr. kommt sie unter römische Herrschaft. Seit den Zügen des jüngeren Crafsus, 29 v. Chr., finden wir sie als Haupt des griechischen Fünfstädtebundes in der späteren Provinz Niedermösien, dem sich unter Kaiser Trajan als sechste Stadt Marcianopolis hinzugesellt. Welch gefährdeter Außenposten dies Tomi war, mag die Tatsache zeigen, daß sie zurzeit von Cäsars Diktatur (44 v. Chr.) und ebenso während des großen pannonisch-dalmatischen Aufstandes (6—9 n. Chr.) von den umwohnenden Goten überrannt und schwer heimgesucht wurde. Zu größerer Blüte kam sie erst wieder im zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr., als be-