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Die Sparfrage vor, während und nach dem Kriege
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Die Hparfrage vor, während und nach dem Ariege

von Assessor Dr, rer. pol. H. Brockmann

egenüber den gewaltigen kriegerischen Geschehnissen in Ost und' West, denen unser ganzes Sinnen und Trachten auch nach zwei­jähriger Dauer noch heute überwiegend gehört, spielen die inner- politischen Fragen zur Zeit nicht die Rolle, die sie vor dem Kriege hatten. Manchen, auch echten Menschen- und Vater­landsfreunden mag das als ein Vorteil des Krieges erscheinen; gab es doch schon vor dem Kriege nicht wenige Stimmen, die auf dem Gebiete der inneren Politik, namentlich auf demjenigen der staatlichen sozialen Fürsorge ein Ende, eine Pause oder eine andere Richtung wünschten. Gerade aber dieser Krieg und die von Deutschlands Söhnen vollbrachten Taten müßten auch dsn Trägern dieser Richtung die Augen darüber geöffnet haben, daß es ohne die bisherige soziale Fürsorge nicht gelungen wäre, unser Volk trotz wachsender Industrialisierung körperlich und geistig so zu erhalten und zu stärken, daß es den unerhörten Anstrengungen des modernen Krieges und einer Welt von Feinden erfolgreich widerstehen konnte. Die Persönlichkeit jedes einzelnen deutschen Soldaten ist es, die den Sieg über die vielfache zahlenmäßige Über­legenheit von des deutschen Reiches Feinden erstritten hat und weiterhin er­streiten wirv.

Die Persönlichkeit kann sich aber nur dann entwickeln und durchsetzen, wenn die materiellen Grundlagen zum Leben vorhanden sind. Elend, Hunger und Not mögen für vereinzelte, besonders begabte, tatkräftige und zähe Menschen der Ansporn zu Kraftentfaltung und Aufstieg sein, die größte Mehrzahl der Menschen wird durch sie zermürbt und am Aufstieg verhindert -oder gar zu­grunde gerichtet. Die Durchsetzung der Persönlichkeit ist bei dem scharfen Wett­bewerbe im freien Spiel der Kräfte nur selten möglich. Wohl kann Selbsthilfe und freie Liebestätigkeit auf manchen Gebieten nützliche und brauchbare Vor­arbeit leisten, aber ein durchschlagender Erfolg ist davon nicht zu erwarten. Noch ist die soziale Gesetzgebung nicht ausreichend, um dem minder- und un­bemittelten Teile unseres Volkes, der weit mehr als die Hülste der gesamten Volkszahl ausmacht, den Lebenskampf zur Durchsetzung ihrer Persönlichkeit aus eigener Krafö übernehmen zu lqssen. Sollen die bisherigen Früchte der sozialen Fürsorgemaßnahmen, durch welche der Staat bewiesen hat. daß er zur Lösung des sozialen Programms berufen und befähigt ist, nicht in Frage gestellt werden, dann muß der einmal begonnene Weg entschlossen weitergegangen werden.