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Bilder aus dem deutschen Bürgerleben der Ostseeprovinzen im Mittelalter
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Bilder aus dem deutschen Vürgerleben der Ostsee­provinzen im Mittelalter

von Professor vl-. Friedrich Bertheau

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nsere deutschen Landsleute in den Ostseeprovinzen, deren Schicksale wir gerade in dieser Zeit mit besonderer Teilnahme verfolgen, zerfallen in die'mehr zerstreut wohnenden, aber ständisch fest­geschlossenen Großgrundbesitzer, die inmitten einer einheimischen Bevölkerung ihre Güter haben, und in die eng zusammenwohnende Bürgerschaft der größeren Städte Riga, Reval, Dorpat und der kleineren, von denen ich hier Goldingen und Pernau nenne. Von dem echt deutschen bürger­lichen Zusammenleben in diesen Städten am Ende des Mittelalters soll die folgende, lediglich auf Urkunden beruhende Darstellung handeln.

Von jenen größeren Städten ist Riga im Jahre 1201 von dem berühmten Bischöfe Albert den Ersten gegründet worden, und unter seiner rührigen Leitung ergossen sich bald Ströme der deutschen Einwanderer in das so günstig gelegene Land an der Mündung der Düna, Reval verdankt seinen Ursprung dem dänischen König Waldemar dem Zweiten, aber dieser gab der Stadt das Lübsche Recht und begünstigte dem Zuzug deutscher Ansiedler, und Dorpat oder Darpte ist die alte, im Jahre 1030 gegründete, russische Stadt Jurgew, sie kam aber im Jahre 1224 in die Gewalt der Deutschen, wurde von diesen neu be­besiedelt und trat, wie die beiden genannten Städte, dem Hansabunde bei. An diesen schloß sich die deutsche Bevölkerung dieser Städte an, weil sie nur so Schutz finden konnte gegen die Versuche des seit 1237 im Lande seßhaften deutschen Ordens, die städtische Selbständigkeit zu vernichten.

Schon das Äußere der genannten Städte hatte ein niedersächsisches Gepräge und hat dieses auch zum großen Teil trotz aller Ungunst der Zeiten bewahrt. Wir sehen schon von weitem die hochragenden, alten, früh von deutschen Meistern erbauten Kirchen: in Riga die Marien- oder Domkirche, in Reval die hoch über der Stadt liegende Kirche des heiligen Olafs, und wenn wir näher kommen, sehen wir die eng gebauten Städte umgeben von einer Mauer mit vielen Türmen. Schon die mittelalterlichen Namen der letzteren muten uns heimatlich an. In Riga haben wir den Buddenturm, den torn actiter 6sr Zroten AiIcle3tovL, den torn KeleZen acnter clem IZIIerbroKe. den verkanten torn. Und dasselbe Gepräge haben die Namen der engen Straßen: in Riga die Kopstrate, Kremerstrate, Kuterstrate, Slotstrate, Schostrate und, um den niedersächsischen